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Hier finden Sie einige unserer letzten Predigten und Texte zum Nachlesen. Die Rechte liegen hierbei immer beim jeweiligen Autor (jeweils unter dem Text angegeben).
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Predigt über Markus 3,31-35

Liebe Gemeinde!

„Freunde kann man sich aussuchen, - Familie nicht.“

Dieses, wahrscheinlich aus Griechenland stammen-de, Sprichwort ist mir nicht mehr aus dem Kopf ge-gangen, nachdem ich den für heute vorgesehenen Predigttext gelesen habe.

„Freunde kann man sich aussuchen, - Familie nicht.“

Diese Aussage ist zunächst einmal absolut zutref-fend: Der Familienkreis und der Freundeskreis unter-scheidet sich wirklich in erster Linie an dieser Wahl-möglichkeit: In eine Familie wirst du hineingeboren, ob es dir gefällt oder nicht. Deine Eltern, Großeltern, Geschwister, deine Verwandten kannst du dir tat-sächlich nicht aussuchen. Sie sind da, ob du gut mit ihnen auskommst, oder nicht. Natürlich kann man sich im Konfliktfall von einzelnen Familienmitgliedern distanzieren. Ja, man kann seiner ganzen Familie den Rücken kehren, was auch immer wieder einmal passiert, in manchen Fällen sogar gut und heilsam sein kann. Aber sie werden ein Leben lang deine Fa-milie bleiben. Und du trägst die Prägungen immer mit dir herum, die dir von deiner Familie weiterver-erbt oder auch anerzogen wurden, positiv wie negativ. Das zu ignorieren wäre Verdrängung und wirkt sich auf die Persönlichkeitsbildung eher schädlich aus. Bei echten Freunden ist das anders: In der Regel bist es immer du selbst, der oder die eine Entscheidung fällt, eine bewusste Entscheidung: Diesem Freun-deskreis will ich mich anschließen. Dieser Person möchte ich mich anvertrauen, ihr vielleicht sogar mein Innerstes offenbaren. Mi diesem Menschen kann ich Pferde stehlen, natürlich nur im übertrage-nen Sinn. Aber eine Freundschaft kann man jederzeit aufkün-digen. Ein Freundschaftsverhältnis lässt sich been-den. Natürlich hat man nach einer Trennung von Freunden unter Umständen ebenfalls lange zu „knabbern“. Aber bei Freundschaften gibt weder rechtliche, noch biologische Hindernisse, die die Trennung grundsätzlich erschweren. Vor allem aber bleibt der entscheidende Punkt dieser: Im Freundes-kreis bleibe ich selbst souverän. Ich suche mir meine Freunde selbst aus. Und ich entscheide selbst, wenn ich eine Freundschaft aufkündigen möchte.

„Freunde kann man sich aussuchen, - Familie nicht.“

Schade an diesem Sprichwort finde ich nur, dass die Familie hier, gerade in unserer modernen Gesell-schaft, einen ziemlich negativen Akzent bekommt. Irgendwie wirkt das Sprichwort so auf mich, als ob die Familie so etwas wie eine unsichtbare Eisenkugel wäre, die man an einer ebenfalls unsichtbaren Kette ständig mit sich herumschleppt. Natürlich kann die familiäre Herkunft eine Belastung sein, biologisch oder moralisch, wenn es Erbkrank-heiten in der Familie gibt, wenn der Vater oder die Mutter alkoholabhängig sind, wenn man in einem ra-dikalen familiären Umweld aufwächst usw. Natürlich wird es auch zum Problem, wenn man familiäre Er-wartungen und Verpflichtungen einfach nicht ab-schütteln kann, wenn einen das Elternhaus, wenn Pflege von Familienangehörigen oder wenn Abhän-gigkeitsbeziehungen einen im wahrsten Sinne nicht loslassen. Andererseits gilt: Wer eine Familie hat, der weiß, wo er oder sie hingehört. Familie gibt Geborgenheit, Ori-entierung, Heimat. Familie kann ein echter Segen sein. Aber jeder Einzelne möchte auch seinen eigenen Weg gehen. Dieser Weg kann innerhalb der eigenen Familie verlaufen, oder aber auch möglichst weit weg von ihr.

Liebe Gemeinde! Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen schaue ich auf unseren heutigen Predigttext: In Jesus ist Gott Mensch geworden. Jesus war ein wirklicher, echter Mensch, nicht nur so zum Schein. Und weil Jesus ein wahrer Mensch war, hat auch er eine irdische Familie. Eine Familie, die er sich auch nicht aussuchen konnte. In der Bibel wird vor allem seine Mutter Maria und die Geschwister von Jesus regelmäßig erwähnt. Und jenseits von einem vermeintlichen Familienidyll, das wir uns gerne an Weihnachten mit Blick auf die Krip-pe in Bethlehem machen, jenseits dieser ‚Idylle scheint es im Verhältnis von Jesus zu seiner Familie durchaus Konflikte gegeben zu haben. Dieses konfliktbeladene Familienverhältnis wird an unserem heutigen Predigttext deutlich. Der Evange-list Markus berichtet davon in aller Schärfe. Höre wir, was im 3.Kapitel des Markusevangeliums aufgeschrieben ist:

„Jesus ging in ein Haus. Und da kam abermals das Volk zusammen, sodass sie nicht einmal es-sen konnten. Und als es die Seinen (Familienangehörigen) hörten, machten sie sich auf und wollten ihn festhalten; denn sie sprachen: Er ist von Sinnen. Und als seine Mutter und seine Brüder vor dem Haus waren, schickten sie zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um Jesus. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“

Liebe Gemeinde! Da knirscht es also gewaltig zwischen Jesus, seiner Mutter Maria und seinen Geschwistern. Offenbar glauben Mutter, Brüder und Schwestern, dass Jesus vollkommen verrückt geworden ist, weil er als Wanderprediger durch die Städte und Dörfer zieht. Da-rum kommen sie und wollen ihn zur Vernunft brin-gen, nach dem Motto: „Statt den armen Leuten Flau-sen in den Kopf zu setzen vom nahen Reich Gottes, stattdessen solltest du dich lieber um deine Familie kümmern. Schließlich ist Mutter Maria inzwischen Witwe. Da gehört es sich gerade für den Erstgebore-nen , dass er für seine seine Mutter und seine Fami-lie sorgt. - Aber Jesus verpasst seiner irdischen Familie einen Korb, wenn man so will.

Ich frage mich: Warum wird diese Begebenheit in der Bibel überliefert? Die Bibel hat sicherlich kein In-teresse daran, Jesus irgendwie in ein schlechtes Licht zu stellen. Es war ganz bestimmt nicht die Ab-sicht des Evangelisten Markus, Jesus als unsozialen Menschen hinzustellen, der schöne Worte vom be-vorstehenden Reich Gottes macht und von der Nächstenliebe redet, gleichzeitig aber die Versorgung seiner eigenen Familie ignoriert, - und das auch noch im Namen Gottes. Nein, das wollte der Evangelist Markus ganz bestimmt nicht. Freilich tut es mir persönlich gut, wenn ich lese, dass Jesus auch mit den Menschen in seiner Familie Kon-flikte ausgetragen hat. Heiligkeit und Gottgefälligkeit entscheidet sich also nicht daran, dass man mit den Seinen niemals streiten darf oder dass man alle Er-wartungen seiner Eltern oder Verwandten erfüllen muss. Aber, ich glaube, darum geht es in unserem Predigttext letztlich nicht. Es geht um eine andere Familie. Es geht hier um die Familie Gottes. Es geht darum, wie Jesus dein Bru-der, wie Gott dein „Vater unser im Himmel“ wird. Als Christen gehören wir immer zu zwei Familien gleichzeitig: Da ist unsere biologische Herkunftsfamilie. Und da ist die Familie Gottes. Und diese zweite Familie, die kann ich mir aussuchen. Für diese Familie entscheide ich mich bewusst. Und für diese be-wusste Entscheidung gibt es sogar eine eigene Feier: Die Taufe in Verbindung mit der Konfirmation. Mit der Taufe werde ich Gottes Kind. Mit der Taufe werde ich Schwester oder Bruder von Jesus. Und diese Fa-milienzugehörigkeit prägt mich ein ganzes Leben lang. Ich kann auf Abwegen geraten, kann Gebote verletzen, kann aus der Kirche austreten. Die Taufe bleibt bestehen. Ich drücke es immer gerne so aus: Du kannst vielleicht aus der Kirche austreten, aus Gott kannst du nicht austreten. Ob dir das gefällt oder nicht. Ob du es wahrhaben willst, oder nicht. So ist Familie eben. Du kannst auch deiner christlichen Familie den Rücken kehren. Trotzdem wird sie deine Familie bleiben. Der einzige Unterschied ist eben der: Zur Familie Gottes musst du dich entscheiden. Die Nähe Gottes musst du aktiv suchen. Mir persönlich ist es bei Taufgottesdiensten immer ganz wichtig, dass ich mit den Eltern und Paten ei-nen Einzug in die Kirche mache, ähnlich wie bei der Trauung. Mir geht es dabei nicht um das Gefühl von Feierlichkeit, sondern eben um das bewusste Zu-Gott-Gehen: Wir bringen unser Kind zu Gott. Wir wollen, dass unser Kind dazugehört. Deshalb ziehen auch die Konfirmanden beim Festgottesdienst zur Konfirmation in die Kirche ein, weil damit der Weg zu Gott sichtbar gemacht wird.

Jesus sagt: Zur Familie Gottes gehören diejenigen, die Gottes Willen tun. Damit ist nicht in erster Linie das Moralische gemeint. Das gehört natürlich auch dazu: Natürlich versuche ich als Kind Gottes, ein rechtschaffenes Leben zu führen, nicht zu töten, nicht gierig zu sein usw. Aber zuallererst geht es um das erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott.“ Andere Götter brauchst du nicht wirklich. Gottes Willen tun heißt also: Die Nähe Gottes suchen, so, wie die Zuhörer in dem Haus, von dem unser Predigttext erzählt, die Nähe von Jesus gesucht haben. Darum bezeichnet Jesus sie auch etwas pointiert und in Auseinandersetzung mit Mutter Maria und seinen Ge-schwistern als seine Familie, gemeint ist die Familie Gottes. Aber er bricht nicht mit seiner irdischen Familie.

In diesem Zusammenhang finde ich es bemerkens-wert, dass Monate, vielleicht auch Jahre später Maria als eine der wenigen unter dem Kreuz von Jesus stand. In der schwersten Stunde also war es dann doch wieder die Familie, also die Herkunftsfamilie, die Jesus die Treue gehalten hat. Scheinbar haben die verbalen Auseinandersetzungen und die Konflik-te, wie sie in unserem Predigttext geschildert wur-den, nicht zur endgültigen Trennung von Jesus und seiner irdischen Familie geführt. Hinzu kommt außerdem, dass einer der leiblichen Brüder von Jesus, dass der sogenannte Herrenbruder Jakobus in der Urgemeinde, also in der frühen Kirche eine ganz wichtige Rolle gespielt hat.

So zieht sich also die Familie wie ein roter Faden durch das Leben von Jesus. Und zwar die Familie, in die er hineingeboren wurde, und die Familie zu der er von seinem Wesen her gehört, zu Gottes Familie. Denn Jesus ist nicht nur wahrer Mensch, sondern auch wahrer Gott.

Liebe Gemeinde! Als Christen sind wir immer Bürger zweier Welten. Und wir sind Mitglieder zweier Familien. Ja, wenn man geheiratet hat, kommen sogar drei Familien und mehr Familien zusammen. Gut, dass wir Familie haben. Gut, dass wir Gottes Kinder sind. Lasst uns darum seine Nähe suchen, Denn wo eine gute Familie ist, da können wir so sein, wie wir sind, da müssen wir nichts und niemandem etwas vorspielen.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alles Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

 

Pfarrer Hartmut Klausfelder

„Zeig mir deinen Schatz

Liebe Gemeinde! Nach der eben gehörten Evangeliumslesung vom „Schatz im Acker“ und der „Kostbaren Perle“ hat es mich gereizt, eine Predigt unter folgendem Thema zu halten: „Zeig mir deinen Schatz“ 

Was ist eigentlich ein Schatz?

Wenn man ein Kind fragt, bekommt man in der Regel eine klare Antwort: Ein Schatz liegt in einer großen Truhe, besteht aus Geld, Schmuck oder Perlen oder anderen glitzernden Dingen - und liegt versteckt unter der Erde.

Diese Definition ist durchaus zutreffend, wie ich nach einem Blick in diverse Lexika festgestellt habe. Im Lexikon erfährt man nämlich folgendes zum Stichwort: Das Wort „Schatz“ kommt aus dem Althochdeutschen und heißt übersetzt nichts anderes als: Geld, Geldstück oder Vermögen. Und im Internetlexikon „Wikipedia“ steht dann noch: Nach deutschem Recht ist ein Schatz eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist (§ 984 BGB). Allgemeinsprachlich versteht man unter einem Schatz eine (nicht unbedingt verborgen liegende) Ansammlung großer Sach- oder Vermögenswerte, meist in Form von Schmuck, Juwelen oder Münzen. Im übertragenen Sinne lassen sich auch ideelle Werte und überhaupt all das, was von der Allgemeinheit oder von einem Einzelnen als ganz besonders wertvoll geschätzt wird (auch etwa eine Person, daher der Kosename), als Schatz bezeichnen.

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Predigt über Jesaja 2,1-5

Liebe Gemeinde!

„Wir leben in der besten aller möglichen Welten.“ Würden Sie diesem Satz zustimmen? Oder regt sich Widerspruch? Für Widerspruch hätte ich durchaus großes Verständnis. Wer im Augenblick auf unsere Welt blickt mit der Klimaerwärmung, die immer dramatischere Ausmaße annimmt, mit Überschwemmungen, Trocken- und Hitzeperioden, mit den Kriegen, Attentaten und Amokläufen, mit der anhaltenden Flüchtlingsproblemen, das Mittelmeer droht längst, zum größten Flüchtlingsgrab aller Zeiten zu werden ….. Wenn man das alles überdenkt, kann man schon überrascht die Augenbrauen heben oder die Stirn runzeln, wenn man diesen Satz hört: „Wir leben in der besten aller möglichen Welten.“ Dieser Satz stammt nicht von mir, sondern von einem der bedeutendsten Gelehrten der Weltgeschichte. Nach ihm ist übrigens eine bekannte und traditionsreiche Butterkekssorte aus Hannover benannt worden: Gottfried Wilhelm Leibnitz. Man kann Gottfried Wilhelm Leibnitz als den letzten großen Universalgelehrten bezeichnen. Er lebte an der Wende vom 17. Zum 18. Jahrhundert und argumentiert folgendermaßen: Gott ist vollkommen, - und darum auch allwissend. Weil gott allwissend ist, kannte er bereits alle möglichen Welten, bevor er unsere Welt geschaffen hatte. Und da zur Vollkommenheit Gottes auch seine Güte gehört, kann er nur eine gute Welt erschaffen, nein: er kann gar nicht anders, als die beste Welt erschaffen, die möglich ist. Zu Vollkommenheit Gottes gehört weiter die Allmacht. Gott ist allmächtig darum setzt er seinen Plan von der besten aller möglichen Welten auch um. Aus diesem Grund kann es nur so sein, dass wir wirklich in der besten aller möglichen Welten leben. Liebe Gemeinde! Über diese theologisch-philosophischen Gedankengänge könnte man natürlich lange und gegensätzlich diskutieren …. Auffallend finde ich in jedem Fall, dass der für heute vorgesehen Predigttext gut auf diese These von Gottfried Wilhelm Leibnitz passt. Der Predigttext für den 8. Sonntag nach Trinitatis führt uns in die Zeit des alten Israel zurück. Im Jesajabuch lesen wir von einer Vision des Propheten. Der Prophet Jesaja ist ja allgemein als ein äußerst kritischer Zeitgenosse bekannt und gefürchtet. In unserem Predigttext jedoch malt er mit Worten eine Vision, die auf die Menschen damals wirklich wie die beste aller möglichen Welten gewirkt haben muss. Ich lese aus dem Jesajabuch im 2. Kapitel:

„Dies ist's, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem: Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Liebe Jubilarinnen und Jubilare, liebe Gemeinde! Meine Predigt zur Jubelkonfirmation hat wieder ein Motto. Dieses Motto haben Sie sicherlich be-reits im Gottesdienstprogramm gelesen. Ich möchte es hier vorne mit einem Plakataufsteller noch einmal sichtbar machen. Der Titel meiner Predigt lautet:

„Beschwingt durchs Leben gehen“

Bestimmt gab es im Leben unserer Jubilare, aber auch im Leben aller hier Anwesenden solche Momente: Wo Sie beschwingt durchs Leben gegangen sind. Da war Ihr Gang aufrecht, der Kopf erhoben, der Gang leicht federnd. Vielleicht haben Sie sogar ein Lied gepfiffen oder vor sich hin gesungen. Was sind das für Momente, in denen man beschwingt durchs Leben geht? Vielleicht wollen Sie, während ich einige Beispiele nenne, selbst ein wenig in Ihren Erinnerungen kramen … Beschwingt durchs Leben geht man auf jeden Fall nach einem schönen Erlebnis: Du hattest beruflich Erfolg oder im privaten Bereich ist etwas gut gelungen. Oder der Lieblings- Fußballverein hat gewonnen (eine Sache, die mir im letzten Jahr als Club-Fan leider kaum vergönnt war). Vielleicht hat es auch Nachwuchs gegeben in der Familie: Kinder oder Enkel, und alles ist gesund. Oder Sie haben eine Veranstaltung oder ein Konzert miterlebt, und waren begeistert. Nach einem wundervollen Tanzabend geht man vielleicht auch beschwingt nach Hause. Vielleicht erinnern Sie sich auch an ein Erlebnis, wo Ihnen eine Zentnerlast vom Herzen oder von den Schultern gefallen ist: Eine ärztliche Untersuchung hat keinen negativen Befund ergeben. Oder Sie haben eine Prüfung hinter sich gebracht und bestanden. Ja, liebe Jubilare, liebe Gemeinde, ich könnte sicherlich noch viele Beispiele aufzählen. Beispiele für Lebenssituationen, in denen Sie beschwingt durchs Leben gegangen sind. Ich denke, es ist in jedem Falle klar geworden, was für Momente das sind im Leben, die uns zum „Schwingen“ bringen, die den „Swing“ in uns auslösen, um es einmal musikalisch auszudrücken. Bestimmt ist auch der Beter des 103. Psalms beschwingt gegangen oder gelaufen, als er die Worte seines Gebetes gesprochen oder gesungen hat. Möglicherweise hat er sogar dazu getanzt. Wir haben die berühmten Verse des 103. Psalms vorhin im Wechsel als Gebet gesprochen. Ich lese noch einmal einige Verse vor:

1 Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! 2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: 3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, 4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, 5 der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Liebe Gemeinde! „Kuck mal, wer da spricht!“ Vor genau 30 Jahren kam eine amerikanische Komödie in die Kinos, die auch in Deutschland große Bekanntheit erlangt hat, nicht zuletzt, weil damals die geheimnisvolle Stimme von Entertainer Thomas Gottschalk gesprochen wurde. Kuck mal, wer da spricht!“ Dieser Titel passt auch hervorragend zum heutigen Pedigttext. Denn in dem für morgen/heute vorgesehenen Abschnitt aus der Bibel meldet sich auch eine geheimnisvolle Stimme zu Wort. Wenn Sie gleich die Worte unsere Predigttextes hören, können und sollen Sie sich fragen: Wer spricht das eigentlich? Wenn man so will, beginnt meine Predigt mit einem kleinen Rätsel: „Kuck mal, wer spricht da in der Ich-Form?“ Von wem ist im Predigttext die Rede?

Hören wir auf die Worte aus dem Alten Testament. Ich lese aus so genannten Buch der Sprüche im 8. Kapitel: „Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen. Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren, als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens. Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über den Fluten der Tiefe, als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe, als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, da war ich als sein Liebling bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern. So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! Hört die Mahnung und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN. Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod."

Pfarrer Hartmut Klausfelder