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Liebe Gemeinde!

Es ist schon eine große Herausforderung: Ich soll an einen Gott glauben, den ich nicht sehen kann. Nicht nur junge Menschen haben damit ein Problem – und widmen sich dann lieber den handfesten, konkreten und „begreifbaren“ Dingen im Leben. Freilich kann man dagegenhalten und sagen: „Es gibt doch viele ganz entschei-dende Dinge in unserem Leben, die kannst du auch nicht sehen, und sie exis-tieren doch, - und sie machen dein Leben erst lebenswert: Liebe z.B. oder Vertrauen. Was wäre ein Leben ohne Vertrauen?“ Auf diesen Einwand könnte dann dein Gegenüber antworten und sagen: „Aber die Früchte des Vertrauens, die kann man doch sehen: Wenn ich mich zum Bei-spiel darauf verlasse, dass mich ein Freund in einer Krise unterstützt oder dass er mir in einer gefährlichen Situation beisteht. Solche Dinge sind doch ein Beweis, dass ich jemandem vertrauen kann.“ - Trotzdem bleibt das Vertrauen an sich unsichtbar, nicht greifbar. Man muss es einfach wagen. Ich muss es wagen, einer anderen Person zu vertrauen. Bei Gott ist das im Grunde nicht anders: Gott selbst kannst du nicht sehen. Aber es gibt die Früchte des Wirkens Gottes auf unserer Welt.

Der Psalm 104, den ich vorhin mit euch gebetet habe, ist ein eindrucksvoller Beleg für diese Früchte, die Gottes Handeln bewirkt: Gott lässt überall auf der Welt Früchte wachsen und Wasser quellen, damit die Menschen zu essen und zu trinken haben. Und trotz vieler extremer Wetterlagen, trotz katastrophaler Dür-ren auf der einen Seite und Stürmen mit Überschwemmungen auf der anderen Seite, trotzdem würde es weltweit locker reichen, alle Menschen zu ernähren. Das wäre möglich, wenn wir es schaffen würden, die Gaben Gottes gerecht zu verteilen. Der Hunger ist nicht von Gott gemacht. Er ist ein Ausdruck von Sünde und Gier. Jedes Kind, das auf dieser Erde verhungern muss, ist ein schrecklicher Beleg dafür, wie die Sünde der Menschen die Wohltaten Gottes ins Gegen-teil verkehrt. Nein, Gott spart nicht mit seinem Segen. Darum beginnt der Psalm 104 auch mit einem groß angelegten Gotteslob:

„Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, du bist sehr groß; in Hoheit und Pracht bist du gekleidet. Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus, wie ein Zelt ….“

Mir hat die bildhafte Sprache in Psalm 104 schon immer gefallen. Und in diesen Bildern erfahren wir auch einiges Interessante über Gott. Wir können Gott nicht sehen, aber wir sehen jeden Tag das Kleid Gottes: „Licht ist dein Kleid, das du anhast.“ Das ist das Licht, das die Pflanzen auf den Fel-dern und in den Gärten wachsen lässt. Das Licht, welches das lebenswichtige Vitamin D im menschlichen Körper erzeugt, das Licht, ohne das es auf der Erde kein Leben gibt, dieses Licht ist das Kleid Gottes. Und in diesem Licht beginnen die Farben zu leuchten, - auch die Farben von Obst und Gemüse, das wir am Erntedankfest in unsere Kirche bringen. „Nachts sind alle Katzen grau.“ Heißt es in einem Sprichwort. Erst das Licht Gottes lässt unsere Welt bunt werden. Erst das Licht Gottes schenkt uns Men-schen Lebensfreude. Menschen, die unter Depressionen leiden, erleben genau das Gegenteil: Ganz plötzlich überzieht ein grau-schwarzer Schleier das ganze Leben und erstickt jede Lebensfreude und jede Lebensenergie. Da leuchten keine Farben mehr, da ist alles nur noch grau und finster. Deshalb ist es so wichtig, dass wir der bunten Lebensfreude in unserer Kirche ein eigenes Fest widmen, ein farbenfrohes Fest. Für mich sind die Farben eine einzige dankbare Antwort auf das Licht, das Gott auf die Erde schickt. Licht ist das Kleid, das Gott anhat, sagt der 104. Psalm. Und mit den Farben sagt die gesamte Schöpfung „Danke, Gott“. Danke für dein Licht. Danke für das Leben. Danke für die Vielfalt, die du auf unserer Erde schaffst.

In dieses „Danke“ sollen auch wir Christen nicht nur einmal im Jahr, aber vor allem an diesem Wochenende einstimmen. Schauen wir uns doch einmal einige dieser Farben etwas genauer an:

Danke sagen uns zum Beispiel die Bananen hier vorne am Altar. Die Bananen sind gelb, - zumindest im reifen Zustand. Auch die Zitronen leuchten uns gelb entgegen. Keine Farbe erinnert uns so an das Licht selbst, wie die Farbe gelb. Jede Bana-ne, jede Zitrone, jede Ananas von innen, auch jede Kartoffel in ihrem Inneren erinnert uns an die Worte von Jesus: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Eine der häufigsten Farben in der Natur ist natürlich „grün“. Viele Äpfel und Birnen, der Kohlkopf, der Lauch, die Hälfte aller Weintrauben und und und, - sie alle tragen die Farbe Grün und danken damit ihrem Gott. „Grün ist die Hoffnung“, sagen wir in einem weiteren Sprichwort. Wenn wir Christen von „Hoffnung“ reden, dann verstehen wir darunter nichts Passives. Der Theologe Jürgen Moltmann schreibt dazu folgendes: „Christliche Hoffnung ist kein Warten oder nur Abwarten, sondern eine schöpferische Erwartung der Dinge, die Gott mit der Auferweckung Christi verheißen hat. Wer etwas leidenschaftlich erwartet, bereitet sich und seine Gemeinschaft darauf vor.“ Hoffen heißt also nicht, geduldig und gottergeben zu warten, dass sich die Welt doch irgendwann und irgendwie zum Besseren wendet. Wenn wir Christen hoffen, dass Jesus wiederkommt und alles zurechtbringt. Wenn wir hoffen, dass Jesus durch den Heiligen Geist in dieser Welt weiterwirkt, dann legen wir Chris-ten nicht die Hände in den Schoß. Dann handeln wir im Alltag nach unserer Hoffnung. Im Blick auf das Erntedankfest leben wir zum Beispiel in der Hoffnung, dass Jesus alle Menschen satt macht. Daran erinnert uns die berühmte Geschichte von der „Speisung der 5000 Menschen“, die wir als Evangeliumslesung gehört haben. Diese Hoffnung lässt uns nicht kalt. Darum werden wir uns in der Kirche natürlich dafür engagieren, dass alle Menschen satt werden, in den Wüstenge-bieten, in den Kriegs- und Krisenregionen. Das ist im Einzelfall sicher nicht einfach. Und natürlich werden wir es nicht schaffen, alle Kinder vor dem Verhungern zu retten. Aber jeder Mensch, den wir als Christen vor dem Verhungern oder Verdursten retten ist eine Frucht der Hoffnung. Die Hoffnung, die wir in uns tragen und die wir auch heute am Erntedankfest feiern. Gott macht uns Menschen satt. Dafür steht die Farbe grün.

Die Farbe blau kommt nicht ganz so häufig bei den Früchten vor, ist aber auch wichtig: Einige Sorten von Weintrauben, Pflaumen und Zwetschgen, sie sagen Gott „danke“ mit der Farbe des Himmels. – Wobei man ja sagen muss, dass eher die Erde selbst blau ist. Vom Weltall aus betrachtet, gilt die Erde im Ver-gleich zu anderen Himmelskörpern als „blauer Planet“. Hier steht die Farbe blau für Leben. Wasser malen wir in der Regel in blauer Farbe. Ohne Wasser gäbe es kein Leben auf der Erde. Mit der Farbe blau danken wir Gott dafür, dass er uns Leben schenkt und am Leben lässt. In diesen Zusammenhang passt auch die Redewendung: „Mit einem blauen Au-ge davonkommen“ Wer mit einem blauen Auge davonkommt, für den geht eine gefährliche Situation glimpflich, also nicht tödlich aus. Und jeder blaue Fleck am Körper erinnert uns schmerzhaft daran, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können. Gott lässt mich und andere leben. Und er lässt uns oft „mit einem blauen Auge davonkommen“. Dafür steht die Farbe blau.

Zum Schluss müssen wir natürlich noch über die Farbe rot sprechen, die Farbe der Tomaten, vieler Beeren, mancher Apfelsorten und die Farbe vollreifer Pap-rikas. Die roten Früchte danken Gott für das Geschenk der Liebe und für den Heiligen Geist. Die Farbe rot steht für Wärme. In der alternativen Medizin gilt sie als die Farbe, die Energie zuführt. Mich erinnert die Farbe rot daran, dass unser Glaube an Gott eine große Kraft- und Energiequelle sein kann. Im Blick auf den Heiligen Geist denke ich bei der Farbe Rot außerdem daran, dass Gott unsere Welt nicht sich selbst überlässt. Im Heiligen Geist ist er uns nahe, auch, wenn wir ihn nicht sehen können. Das Dritte, was mir zur roten Farbe einfällt, ist der sprichwörtliche „Rote Faden“. Jede Tomate, jede rote Paprika möge euch daran erinnern, dass es sich lohnt und dass es gut tut, wenn sich unser Glaube durch unser ganzes Leben durchzieht. Mögen Glaube, Hoffnung und Liebe der „rote Faden“ sein, an dem ihr in jeder Lebensphase entlanggeht.

„Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet; Und die Erde ist voll deiner Güter.“ So heißt es im 104. Psalm. Und ich ergänze: „Die Erde ist voller bunter Farben“ Und mit jeder Farbe sagen Menschen, Tiere und Pflanzen „danke“. Danke für das, was Gottes Liebe für uns und in uns tut.

Drum lass uns heut vor Freude strahlen.

Schenk gute Laune weit und breit.

Bunt lass uns deine Schöpfung malen

mit Farben voller Dankbarkeit.

AMEN.

 

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Liebe Gemeinde!

„Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.“

Diese altbekannte Redewendung könnte als Überschrift über dem heutigen Predigttext stehen. Ich weiß nicht, ob die Redewendung von Martin Luther stammt. Jedenfalls hat unser Kirchenvater bereits vor rund 500 Jahren einen ähnlichen Spruch hinterlassen:

„Wo kein Wagnis, da kein Gewinn. Wo kein Spiel, da kein Leben“

Irgendwie scheint dieser Spruch gut in unsere heutige Zeit zu passen: Ängstlichkeit macht sich in weiten Teilen unserer Gesellschaft breit im Blick auf den Corona-Herbst, auf Gasknappheit, auf kalte Wohnzimmer und auf Büros, die nur noch auf 19°C beheizt werden. Wobei ich zum Letzteren sagen muss, dass ich persönlich froh wäre, wenn unsere Stadtkirche im Winter 19°C warm wäre ….. Wie dem auch sei: Ängstlichkeit, Hamsterkäufe und andere panikartige Reaktionen tun uns Menschen und der angespannten Situation nie gut. Stattdessen brauchen die Menschen mehr denn je Mut. Mut, auch gewagte Entscheidungen zu treffen. Mut, etwas anders zu machen.

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Das Leben ist ein Puzzlespiel.
Mal hast du wenig, dann ganz viel
an Einzelteilen in der Hand.
Es braucht Geduld und viel Verstand,
sie richtig herum einzupassen.
D’rum ist es gut, sich Zeit zu lassen.

Das Leben ist ein Puzzlespiel.
Da wird es manchmal diffizil:
Das Vollbild wächst erst Stück um Stück,
du siehst nichts auf den ersten Blick.
Das große Ganze, hoch und weit,
es braucht viel Gelassenheit.

Das Leben ist ein Puzzlespiel:
Nicht steif und fest, vielmehr fragil,
so greifen Teile ineinander.
Im Leben geht’s nur miteinander.
Alleine kann sich nichts entfalten,
wir müssen schon zusammenhalten.

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Sein sanftes Weh’n
kannst du nicht seh’n,
doch er hat Kraft,
die Großes schafft.
Der Heil’ge Geist
kommt allermeist
so, wie der Wind:
Der Wind, das himmlische Kind.

Wie schön es wär,
man ungefähr
den Zeitpunkt wüsst,
nicht warten müsst ….
Du zwingst es nicht,
das Himmelslicht.
Drum warte still:
Er weht, wo immer er will.

Vertrau darauf:
Gott lenkt den Lauf
der Welt sehr gut.
Das, was er tut,
ist wunderbar,
steckt ganz und gar
voll Energie:
Sein Geist verlässt dich nie.

Hartmut Klausfelder

Liebe Gemeinde!

Mit dem heutigen Sonntag „Invokavit“ hat also die Passionszeit begonnen. In den sieben Wochen vor Ostern bereiten wir uns auf den absoluten Höhepunkt des Kirchenjah-res und auf den Höhepunkt unseres Glaubens vor: Jesus leidet stirbt am Kreuz, - und damit erlöst er unsere Welt von der Gottverlassenheit.

Zugegeben: Gefühlt hat die Passionszeit heuer bereits 10 Tage früher begonnen, mit dem Krieg in der Ukraine, der sich gewissermaßen vor unserer Haustüre abspielt und der auf jedem Fernseher, jedem Tablet und Handy allgegenwärtig ist.

Die Rede ist überall von einer „Zeitenwende“. Das mag politisch sicherlich zutreffen, wobei ich sagen muss: Vor zwei Jahren, mit Beginn der Corona-Pandemie, hat man auch schon gesagt, dass die Welt nicht mehr so sein wird, wie vorher. Seit Jahren stehen bereits die Zeichen auf Veränderung. Und unter dieser Veränderung leiden wir, weil diese Veränderung kaum etwas Gutes, dafür aber viel Leid und Tod über die Menschheit bringt. Und wir leiden mit. Passionszeit. Bei uns ist der Krieg zwar noch nicht angekommen, aber auch wir werden mit steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen, mit Lieferengpässen und neuen Flüchtlingsströmen unsere Komfortzone verlassen müssen. Diese Entwicklung wird auch weiter unsere Kirche treffen. Denn, wenn das Geld knapper wird, werden sich noch mehr Menschen die Kirchensteuer sparen und aus der Kirche austreten. Es sind keine guten Zeiten, und sie werden noch viel Leid über die Menschheit bringen. Passionszeit.

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Der Mensch denkt,
doch Gott lenkt
dich immer wieder hin zum Ziel.
Da kannst du Pläne schmieden viel,
Dein Weg in seinen Händen ruht.
Vertraue ihm! Er macht es gut.

An diese Weisheit musst ich denken,
als ich grad wollt mein Auto lenken.
Mein neues Auto ist modern.
Elektrisch fährt’s, - das hab ich gern.
Und viele Extras findet man.
Toll, was so ein Fahrzeug alles kann.

Eins dieser Extras mancher kennt,
nennt sich „Spurhalte-Assistent“.
Fühlst dich am Lenkrad völlig fit, -
Da ist noch jemand, der lenkt mit.
Die unsichtbare Korrektur,
sie hilft, kommst du mal aus der Spur.

Hartmut Klausfelder
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