+++ Hier finden Sie besinnliche Texte oder die Predigt vom letzten Sonntag zum Nachlesen. +++
Hier finden Sie einige unserer letzten Predigten und Texte zum Nachlesen. Die Rechte liegen hierbei immer beim jeweiligen Autor (jeweils unter dem Text angegeben).
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Die Evang.-Luth. Kirchengemeine Neustadt am Kulm sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt

eine/n Hausmeister/in und
Friedhofspfleger/in
mit 5 Wochenstunden

für das Evangelische Gemeindehaus und den Friedhof in Neustadt am Kulm.

Nähere Informationen im

Evang.-Luth. Pfarramt
Pfarrgasse 20
95514 Neustadt am Kulm
Tel.: 09648/272
Fax: 09648/275
Mobil: 0151/51034407

Pfarrer: So, nachdem wir heute das Erntedankfest feiern, gönne ich mir im Gottesdienst eine kleine Brotzeit.

(Pfarrer setzt sich an einen kleinen Tisch, holt einen Laib Brot und ein Brotmesser, bindet sich einen Latz um.)

Pfarrer: Ach ja, vorher natürlich noch das Tischgebet: Wir leben nicht vom Brot allein. Es muss dein Wort auch bei uns sein. Wir danken dir, dass du uns liebst und uns dies beides täglich gibst. Amen.

(Nimmt das Brotmesser zur Hand und will den Brotlaib anschneiden.)

Stimme: Guten Appetit!

Pfarrer: Wie ….. was …. Wer spricht da?

Stimme: Erkennst du mich nicht?

Pfarrer: Ehrlich gesagt, nein. ….. Bist du ….. bist du am Ende Gott, der mit mir spricht?

Stimme: Nein, Gott bin ich nicht. Wie kommst du darauf?

Pfarrer: Na, ich dachte, weil wir hier Gottesdienst feiern. Und da spricht ja Gott zu uns.

Stimme: Gott spricht zu euch durch sein Wort aus der Heiligen Schrift. Nein, ich bin das Brot.

Pfarrer: Das …. Brot?

Stimme: Ja.

Pfarrer: Du bist das Brot, das ich gerade aufschneide? Stimme: So ist es. Pfarrer: Das ist ja interessant: Mein Brot spricht mit mir. Was man in einem Gottesdienst so alles erlebt. – Du heißt aber nicht zufällig Bernd ?

Stimme: Nein, ich bin nicht Bernd, das Brot, aus dem Fernsehen. Ich bin das „Gott-sei-Dank-Brot“. Schließlich feiern wir ja heute das Erntedankfest.

Pfarrer: Ach so, ja, das ist natürlich logisch. – Aber sag mal, du „Gott-sei-Dank-Brot“: Worüber möchtest du denn mit mir reden? Oder wolltest du mir einfach nur mal „Hallo“ sagen.

Stimme: Ich wollte dich etwas fragen.

Pfarrer: Mich etwas fragen, aha. Na, dann mal los ….

Stimme: Ist dir eigentlich bewusst, was du da isst?

Pfarrer: Ja klar. Das ist ein Bauernbrot aus der Bäckerei. - Und weil wir heute Erntedankfest feiern, ist es ganz wichtig, Gott für seine guten Gaben zu danken. Darum habe ich ja gerade auch das Tischgebet laut vor allen Besuchern gesprochen.

Stimme: Du siehst mich. – Aber viele andere siehst du nicht ….

Pfarrer: Wie meinst du das? Meinst du die vielen anderen Brote, die der Bäcker verkauft?

Stimme: Nein, ich meine schon mich selbst. Wenn du mich ansiehst, dann siehst du viele Menschen und Maschinen, die für mich und an mir gearbeitet haben.

Pfarrer: Ach, jetzt verstehe ich. Du meinst, ich soll mir bewusst machen, was alles an Arbeit in einem guten Laib Brot steckt und wer bei der Herstellung eines Brotes alles beteiligt ist.

Stimme: Ja, so in etwa meine ich das. - Was meinst du: Wie viele Hände haben für mich gearbeitet, dass ich so appetitlich vor dir liege? Und wie viele Füße sind für mich gelaufen oder haben Maschinen bedient oder gefahren, damit du mich essen kannst?

Pfarrer: Puh, jetzt wird es aber kompliziert. Ich wollte mir ja eigentlich nur dankbar und zufrieden ein Stück Brot herunterschneiden ….

Stimme: Das darfst du auch gerne. Aber ein bisschen Bewusstsein schadet nicht.

Pfarrer: Wollen wir wirklich jetzt, vor all den Leuten darüber reden?

Stimme: Warum nicht? Aber jetzt schneide dir erst einmal eine Scheibe von mir ab.

Pfarrer: (schneidet Brotscheibe ab, legt sie dann aber zur Seite) Na ja, in der Backstube, da haben mindestens zwei Hände an dir gearbeitet, wenn das reicht. Hefe und Sauerteig angesetzt, Wasser, Mehl und Salz dazugeschüttet, den Teig geknetet, den Teig ruhen lassen, dann nochmals geknetet ….

Stimme: ….. mich in den Ofen geschoben und dann wieder herausgeholt …. Dann war da noch der Fahrer im Lieferwagen, der mich zur Filiale der Bäckerei gefahren hat, die Verkäuferin, die mich schön und gut sichtbar ins Brotregal einsortiert hat und die mich schließlich an dich verkauft hat.

Pfarrer: Hm, das sind schon eine ganze Menge an Händen und Füßen, die für dich da sind ….

Stimme: ….. und für dich, damit du mich essen kannst. – So, und nun weiter ….

Pfarrer: Wie weiter? Habe ich beim Bäcker etwas vergessen?

Stimme: Und vorher? Pfarrer: Du meinst, was vor dem Bäcker war? Ach so, ja, - na ja, das Mehl, das muss natürlich erst einmal gemahlen werden ….

Stimme: …. in der Mühle.

Pfarrer: Ja klar, …. Und die Körner müssen vor dem Mahlen auch wieder vom Bauern oder vom Großhändler zur Mühle transportiert werden.

Stimme: Genau, …. Und, weil wir gerade vom Bauern sprechen, …..

Pfarrer: …. der muss die Körner erst einmal ernten, ….

Stimme: …. die er vorher gesät hat, und den Boden hat er auch gepflügt und viel Arbeit investiert, damit das Korn gut wächst. – Merkst du? Wer mich sieht, der sieht viele viele andere Menschen, der sieht viel Arbeit und Mühe, viel Fürsorge und Liebe, viel Verantwortung, Planung und Organisation. Das alles steckt in mir drin.

Pfarrer: Jetzt müssen wir aber noch Gott mit ins Spiel bringen.

Stimme: Gut, das du das sagst.

Pfarrer: Klar, ich bin ja schließlich Pfarrer.

Stimme: In mir steckt die Wärme von Millionen Sonnenstrahlen und Tausenden und Abertausenden von quirligen Regentropfen. In mir steckt der Hauch des Windes und der Duft der feuchten Erde und das Aroma der Kräuter und Gräser, die um meine Körner herum gewachsen sind. Und aus jeder Brotscheibe von mir kannst du das Konzert von Tausenden von Fliegen, Bienen, Wespen und Vögeln hören, die meine Körner beim Wachsen begleitet haben. Gott hat eine ganze Symphonie für mich geschrieben, eine „Gott-sei-Dank“-Symphonie, die du bei jedem Bissen hören kannst.

Pfarrer: Na, jetzt wirst du ja richtig poetisch. Ich wusste gar nicht, dass in meinem Bauernbrot so viel Romantik steckt.

Stimme: Ich bin ja auch das „Gott-sei-Dank-Brot“.

Pfarrer: Du hast ja recht. – Da kommt aber noch etwas zu dir dazu: Die Kraft und die Freude am Arbeiten, die Lebensenergie. Die schenkt Gott all den Menschen, die dich transportiert und deine Zutaten verarbeitet haben: In dir steckt das lustige Lied, das der Bäcker beim Brotkneten gepfiffen hat. In dir steckt der Witz, den der Müller beim Mahlen der Körner erzählt und über den alle seine Mitarbeiter gelacht haben. In dir steckt das Lachen der Kinder, die beim Bauern auf dem Traktor gesessen sind und ihrem Papa bei der Ernte auf dem Feld begleitet haben. In dir steckt das Lied des Lastwagenfahrers, der die Säcke mit den Getreidekörnern zur Mühle gefahren hat und der zur Musik aus dem Radio aus vollem Hals gesungen hat.

Stimme: O ja, ich erinnere mich. Der Lastwagenfahrer hat genauso laut gesungen, wie falsch. Man hätte meinen können, er will eine Opernarie singen. Aber mir hat‘s gefallen.

Pfarrer: Faszinierend, was alles in dir steckt. So viel Musik, so viel Lebensfreude, so viel Liebe. - Man glaubt es kaum.

Stimme: Verstehst du jetzt, warum ich dich gefragt habe, was du siehst?

Pfarrer: Es war gut, dass du mich das gefragt hast. – Aber weißt du was?

Stimme: Was denn?

Pfarrer: Was für dich als Brot gilt, das gilt doch eigentlich für so vieles in unserem Leben: Unsere Augen sehen immer nur das fertige Ergebnis. Aber unsere Augen sehen nicht die vielen anderen Menschen, die Tiere und Pflanzen, die das fertige Ergebnis produziert, begleitet oder unterstützt haben. – Dazu gibt es sogar ein Lied. Moment, ich lese dir mal den Text vor:

Stimme: Ich bin ganz Ohr.

Pfarrer: "Ich hab die Faser nicht gesponnen, die Stoffe nicht gewebt, die ich am Leibe trage. Ich habe nicht die Schuhe, die Schritte nur gemacht. Ich habe nicht gelernt zu schlachten, zu pflügen und zu säen, - und bin doch nicht verhungert. Ich kann nicht Trauben keltern und trinke doch den Wein. Ich hab‘ die Städte nicht entworfen, die Häuser nicht gebaut – und habe doch zu wohnen. Ich kann nicht Ziegel brennen Und doch schützt mich ein Dach. Wer mich ansieht, sieht viele andere nicht, die mich ernährt, gelehrt, gekleidet haben, die mich geliebt, gepflegt, gefördert haben. Mit jedem Schritt gehn viele Schritte mit. Mit jedem Dank gehen die Gedanken mit. (Text: Armin Juhre)

Stimme: Schön ist das. Und genau das hast du jetzt gerade getan. Du hast Gott gedankt für mich, für das „Gott-sei-Dank“-Brot. Und du hast dir Gedanken gemacht. „Mit jedem Dank gehen die Gedanken mit“.

Pfarrer: Das Lied heißt übrigens „Vom Denken und Danken“ Diese beiden Dinge gehören dazu, wenn wir Erntedank feiern: Wir sollen nicht nur oberflächlich „Danke“ sagen. Unser Dank soll in die Tiefe gehen. Wir sollen nicht nur oberflächlich auf die schön angerichteten Gaben an unserem Erntedankaltar blicken. Wir sollen in die Tiefe schauen, die Arbeit, die Liebe, den Duft riechen und die wunderbare „Symphonie“ hören, die Gott für jedes Lebensmittel geschrieben hat.

Stimme: Vergiss bitte vor lauter Tiefe deiner Gedanken nicht, mich zu essen. Das wolltest du doch eigentlich machen.

Pfarrer: Ja, stimmt.

Stimme: Dann lass dich mal nicht aufhalten. Ich hoffe, ich schmecke dir. Guten Appetit!

Pfarrer: (beißt ein Stück von der Brotscheine ab, spricht mit vollem Mund) Da bin ich mir sicher: Bei so viel guten Gedanken kannst du eigentlich nur gut schmecken, mein „Gott-Sei-Dank-Brot“.

Stimme: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist ….

Pfarrer: ….. wohl dem, der auf ihn traut.“ (Psalm 34,9)

Beide: Amen.

(Text und Idee von Hartmut Klausfelder)

 

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Liebe Gemeinde!

„Haben Sie eigentlich Ihre Berufung gefunden?“

Berufung, was ist das eigentlich? Es gibt den „Beruf“, den wir ausüben oder ausgeübt haben. Und es gibt die „Berufung“. Der Unterschied zwischen beidem liegt im persönlichen Glück und in der Zufriedenheit. Einen Beruf habe ich, um beschäftigt zu sein und um Geld zu verdienen. Bei einer Berufung sind passen Person und Arbeitsstelle wie ein Schlüssel in das richtige Schloss. Und die Tür, die sich mit diesem Schloss öffnet, ist die Tür in ein erfülltes Leben. Nun habe ich den Eindruck, dass man sich vor Beratungsangeboten derzeit gar nicht mehr retten kann. Buchhandel, Internet und soziale Medien überschwemmen den Markt geradezu mit Ratgebern und Kursen, wie ich meine Berufung, sprich meinen Traumjob finde. Im Internet gibt es tatsächlich eine Homepage mit der Adresse: www.karrierebibel.de. Nur hat diese Karrierebibel mit unserer Bibel überhaupt nichts zu tun, sondern diese Homepage ist eine Informationsplattform für alles, was mit der richtigen Berufswahl zu tun hat. Glaubt man den Ratschlägen auf den verschiedenen Internetseiten, so braucht man vor allem folgendes, um seine persönliche Berufung zu finden:

  • Zeit und Ruhe
  • Gespür für die eigene Intuition
  • Gute Selbstwahrnehmung
  • Meditation oder andere fernöstliche Praktiken wie Yoga, Tai Chi oder Qi Gong.

Über das Gebet oder den Glauben findet sich interessanterweise in den Suchmaschinen des Internet nichts zu diesem Thema. Das erstaunt mich. Gerade kirchlichen Berufen eilt doch normalerweise der Ruf voraus, dass sie eben nicht nur Beruf, sondern Berufung sind. Jedenfalls scheint es etwas sehr Schönes und Wertvolles zu sein, seine Berufung zu finden, oder? Berufung – das klingt nach: Ich weiß, was ich will! - Ich komme zu mir selbst, zum Eigentlichen, zu dem, was mich ausmacht. Ich werde „stimmig“.

Wenn man in die Bibel sieht, findet man dieses Verständnis von Berufung durchaus bestätigt. Aber es ist keineswegs immer so, dass die persönliche Berufung immer Jubelstürme bei den betroffenen Menschen auslöst. Als Mose von Gott berufen wurde am brennenden Dornbusch, da musste Gott alle Überredungskünste aufwenden, um Mose die äußerst heikle Berufung schmackhaft zu machen, nämlich mit dem Pharao von Ägypten zu verhandeln, damit das Volk Israel die Freiheit findet. Und Jona lief vor seiner Berufung, Prophet zu werden, gleich ganz davon, was ihm ja bekanntermaßen nichts genutzt hat. Oder auch der Prophet Jeremia: Um ihn und seine Berufung geht es in dem für heute vorgesehenen Predigttext. Jeremia kommt zu seiner Berufung, obwohl er sie nie gesucht hat. Im ersten Kapitel des Jeremiabuches lesen wir vom Anfang der Geschichte Jeremias mit Gott:

„Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.“

Liebe Gemeinde! Jeremia wird um 650 vor Christus geboren und ist etwa zwanzig Jahre alt, als der Ruf zum Propheten an ihn ergeht. Er ist der Sohn des Priesters Hilkija aus Anatot bei Jerusalem. Da bekommt er von Gott diesen Auftrag. Gottes Wort überwältigt ihn – so muss man sagen. Gott reißt ihn mit aller Wucht heraus aus dem normalen Leben und sondert ihn ab zum Propheten über Völker und Königreiche, wie es im Predigttext heißt. Dieses Schicksal war übrigens bereits vor Jeremias Geburt festgestanden, wie wir gerade erfahren haben. Das Prophetenamt war also von Anfang an für diesen Mann vorgesehen, war also seine Berufung. Darum hat Jeremia auch kein Chance, den Auftrag abzulehnen. Gott lässt ihn nicht los. Wie schon beim Mose oder Jona, versucht auch Jeremia, die unangenehme Berufung loszuwerden. Denn so viel ist klar: Eine dankbare Aufgabe ist das Prophetenamt nie. Damit wird man nicht reich. Und Freunde schafft man sich schon gar nicht. Also widerspricht Jeremia: „Ich bin zu jung“, sagt er. Das ist keine übertriebene Demutsgeste, keine falsche Bescheidenheit. Vielmehr bringt er damit zum Ausdruck: „Ich habe überhaupt keine Erfahrung im öffentlichen Auftreten. Wie käme ich dazu, anderen etwas zu sagen? Außerdem habe ich gar nicht die gesellschaftliche Stellung, etwas zu sagen. Wer sollte denn auf mich hören?“ Aus diesen Worten spricht auch die Angst. Angst vor dem, was vor ihm liegt? Wer könnte es Jeremia verdenken? Gott antwortet Jeremia und sagt: „Fürchte dich nicht vor den Menschen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.“ Jeremia wird diesen Zuspruch Gottes noch bitter nötig haben. Jeremia wird Zeitzeuge zweier großer geschichtlicher Ereignisse werden: Er erlebt den Untergang der Großmacht Assyrien sowie die Eroberung und Zerstörung Jerusalems. Sage und schreibe 45 Jahre wird Jeremia in Gottes Auftrag sprechen. Immer wieder vergebens. Die Mächtigen und Politiker werden nicht auf ihn hören – und dabei in ihr Verderben rennen. Aber nicht nur das – Jeremia wird ausgelacht werden, bedroht, verhaftet. In eine stinkende Zisterne wird man ihn werfen. Am Ende wird man ihn außer Landes bringen. Dann verliert sich seine Spur. Jeremia beklagt sich Immer wieder im Laufe seines Lebens bei Gott über seinen Auftrag. Immer wieder möchte er ihm diesen Auftrag vor die Füße werfen. Aber er kommt doch nicht von diesem Auftrag los. Es ist eben seine Berufung. Glücklich gemacht hat sie ihn wohl eher nicht.

Trotzdem: Die prophetische Gabe war Jeremias Berufung, die er übrigens eindrucksvoll umgesetzt hat. Kein Wunder: Seine außergewöhnlichen Sprach- und Denkmöglichkeiten verdankt er sicherlich seiner Herkunft aus einer priesterlichen Familie. Jeremia war ein gebildeter Mann, zweifellos. Aber alle Bildung und Sprachkunst haben ihm nichts genutzt. Denn es war Gottes Wille, dass Jeremia seiner Zeit einen Spiegel vorhält. Und das Bild von Juda, das man in diesem Spiegel erkennen konnte, war hässlich. Darum kündigt der Prophet seiner Generation auch entsprechende Folgen an. Und das macht ihn unbeliebt. Autoritäre Staatsmänner machen bis heute kurzen Prozess mit solchen Querdenkern. Es grenzt fast an ein Wunder, dass Jeremia so lange überlebt hat. Jeremia besaß die die große Gabe, Dinge zu durchschauen und die Zeichen der Zeit zu deuten. Er konnte Taten und Folgen, Fakten und Zusammenhänge aufzeigen. Vor allem aber war es seine Aufgabe, die Verlorenheit seines Volkes aufzudecken. Juda hatte längst die Beziehung zu Gott und zu seinen Geboten verloren. Das einstmals heilige Volk war verlorengegangen, hatte Gott als Maßstab seines Denkens und Tuns verloren.

Ein großer, aber einsamer trauriger Mann war er, der Jeremia. Seine Berufung hatte ihn einsam gemacht. Einsam zumindest im Blick auf diese Welt. Dafür aber hatte er Gott gefunden. Dafür stand er auf der Seite Gottes. Wer seine Berufung findet, der hat sicher ein erfülltes Leben, aber nicht unbedingt ein leichtes Leben.

Darum will ich ganz vorsichtig sein, die Geschichten der großen Propheten, der Apostel und Heiligen eins zu eins auf uns zu übertragen und zu sagen: Genau das müsst ihr jetzt auch tun. Auch ist die Gleichung: „Wenn du betest und glaubst, findest du deine Berufung und alles wird gut“ viel zu einfach und führt zu falschen Erwartungen. Und trotzdem kann und darf niemand seiner Berufung entgehen. Mancher findet diese Berufung vielleicht erst am Ende seines Lebens, andere bereits als junge Menschen bei der Wahl des Berufes.

Ich glaube, dass es in diesem Zusammenhang wichtig ist, sich das Verständnis von Taufe wieder bewusst zu machen: Ich bin getauft. Das heißt: Auch ich bin „ausgesondert“ von Gott, herausgenommen, geheiligt, berufen. Ich bin getauft, eingetaucht in ein neues Leben, in neue Zusammenhänge, in den einen Zusammenhang: Ich gehöre zu Gott. Und ich gehöre zur Gemeinschaft derer, die ihm vertrauen und auf ihn hoffen. Anders als Jeremia stehe ich nicht allein auf weiter Flur.

Und damit bin ich beim Stichwort „Kirche“: Nicht nur einzelne Personen, auch miteinander können wir Prophet sei. Unsere Kirche hat immer auch eine prophetische Dimension. Diese prophetische Dimension muss spürbar werden in der kirchlichen Verkündigung, also in dem, was Kirche offiziell sagt, was von den Kanzeln gepredigt wird, oder auch, was Kirchenvorstände an Leitbildern ihrer Kirchengemeinde nach außen geben. Jeremia hat von Gott die Fähigkeit bekommen, die Geschichte, in der er lebt, zu beobachten und die Ereignisse zu deuten. Er kennt Gott, er kennt die Menschen, seine Brüder und Schwestern. Er ist fähig zu unterscheiden und Ungerechtigkeiten öffentlich anzuklagen, weil er frei ist. Weil er sich keinem anderen Herrn verantworten muss außer Gott, keine anderen Interessen hat, als die Interessen Gottes. Darum blickt Jeremia tiefer als viele andere Menschen. Für mich gehört heute zum prophetischen Amt unserer Kirche, dass wir tiefer schauen: Wir müssen tief in unsere Gesellschaft hineinschauen. Und diesen tieferen, nachhaltigeren Blick auf das Weltgeschehen müssen wir in Worte fassen. Dabei sind es nicht nur die großen Aktionen und Demonstrationen gegen oder für etwas, die das Prophetische unserer Kirche ausmachen, sondern das tägliche Leben von jedem einzelnen: Wenn einer gewissermaßen „gegen den Strich“ lebt und handelt: Zum Beispiel Gegen eine Konsum- und Leistungsgesellschaft, in der nur der zählt, wer etwas hat. Gegen eine Ellenbogengesellschaft, in der sich immer der Stärkere und Mächtigere durchsetzt. Gegen eine Gesellschaft von Ich-bezogenen Einzelwesen, wenn die eigenen Bedürfnisse wichtiger werden als das Wohl der Gemeinschaft. Unsere Kirche wird kleiner und verliert an politischem Einfluss. Das erzeugt im Augenblick Verunsicherung und Selbstzweifel. Gerade aber diese Situation kann es uns aber auch leichter machen, unsere prophetische Berufung als Kirche und als Einzelne wieder bewusster zu leben. Wer weniger Einfluss hat, ist auch freier das zu sagen, was gesagt werden muss, weil man nicht dauernd Rücksicht auf bestimmte Interessensgruppen nehmen muss. Eines ist mir jedenfalls ganz wichtig: Unsere Welt braucht keine Hellseher, sondern wieder verstärkt prophetischen „Durchblicker“, braucht Menschen und eine Kirche, die tiefer blickt. Unsere Welt braucht Menschen, die diese unsere Welt mit einem Augen der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit anschauen. Wir dürfen es unserer Welt nicht ersparen, dass sie das Unbequeme beim Namen nennen. Dass man dabei auch um ehrliche Antworten und heilsame, gangbare Wege ringen muss, das schließt das prophetische Reden nicht aus.

Liebe Gemeinde! Lebt eure Berufung an eurem Platz in der Hoffnung, und in dem Vertrauen, dass Gott an unserer Seite steht und uns den Weg zeigt. Amen.

 

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Liebe Gemeinde!

Bei der folgenden Geschichte soll es sich um eine wahre Begebenheit handeln:

„In Berlin gab es einen Lehrer, der für ein besonderes Ritual zu Beginn seines Unter-richts bekannt war. Nachdem er seine Schulklasse begrüßt hatte, verneigte er sich vor seinen Schülerinnen und Schülern. Seine Kollegen hörten davon und fragten ihn, was dieses ungewöhnliche Verhalten zu bedeuten habe. Darauf antwortete der Lehrer: „Ich verneige mich deshalb vor meinen Schülern, weil ich ja nicht weiß, ob einer von ihnen vielleicht ein Genie oder ein zukünftiger Nobelpreisträger sein könnte.“

Ein ungewöhnliches Ritual ist das, zweifellos. Ich gebe ehrlich zu, das es mir persön-lich bei einigen meiner Schüler schwer fallen würde, mich ehrlich respektvoll vor ihnen zu verneigen. Und doch hat mich das Verhalten des Lehrers aus Berlin sehr ins Nachdenken gebracht. Ich frage mich: Mit welchen Augen schauen unsere Lehrkräfte, schaue ich als Religionslehrer auf die Schulkinder? Mit welcher persönlichen Grundeinstellung nehmen Lehrkräfte Kontakt zu ihren Schülern auf? Ist es ein liebevoller und wert-schätzender Blick, den sie auf die Schüler werfen? Ein verächtlicher Blick, nach dem Motto: „Die taugen ja sowieso alle nichts.“ Oder ist es der strenge Blick des Richters, der Wertschätzung an einwandfreies Verhalten und an Leistung knüpft? Was ich hier über das Verhältnis von Lehrer und Schüler schildere, gilt selbstver-ständlich genauso für das Verhältnis von Eltern und Kind, von Vorgesetzen zu Angestellten, von Meister zu Lehrling und so weiter. Der Berliner Lehrer hatte jedenfalls mit einem außergewöhnlich wertschätzenden Blick auf seine Schüler jede Schulstunde begonnen.

Interessanterweise erzählt man sich, dass dieser besondere Blick einen spürbaren Einfluss auf die Begeisterung und Fähigkeiten seiner Schüler hatte: Es gab zwar meines Wissens keinen Nobelpreisträger, der aus den Klassen dieses Lehrers hervorgegangen wäre. Aber noch Jahre spä-ter erzählten viele Schüler, wie ihnen dieser besondere Lehrer geholfen hatte. Gehol-fen, ihren eigenen Weg ins Leben zu finden.

Ich glaube, wir können die Botschaft aus der Geschichte schon verallgemeinern: Es hat Einfluss auf die Welt, mit welchen Augen wir sie anschauen. Und es hat Einfluss auf uns, wie wir von anderen angeschaut werden.

Vor dem Hintergrund dieser Einsicht lese ich an dieser Stelle den für morgen/heute vorgesehenen Predigttext. Der Evangelist Johannes erzählt von einem Blindgeborenen, also von einem Mann, der von Geburt an blind ist. Beim Zuhören des Predigttextes wird es Ihnen sicherlich schnell auffallen: Auf den Blindgeborenen wird auch mit „zweierlei Augen“ geschaut. Hören wir, was der Evangelist Johannes im 9. Kapitel schreibt:

„Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Got-tes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden. Und er sprach zu ihm: Geh zum Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.“

Liebe Gemeinde! Haben Sie es gemerkt, mit welchen Augen der blinde Mann angeschaut wird? Sowohl Jesus als auch seine Jünger sehen den blinden Mann. Vermutlich bettelte die-ser am Rande des Tempelbezirks in Jerusalem um Almosen. Dabei schauen ihn die Jünger und Jesus mit ganz unterschiedlichen Augen an:

Da ist zunächst einmal der Blick der Jünger. Beim Anblick des blinden Manns sehen sie vor sich nicht den konkreten Menschen. Die Jünger sehen den Mann eher als theologisches Fallbeispiel. Sie fragen sich nicht: „Wie können wir diesem Mann helfen?“, sondern: „Wer trägt die Schuld an seinem Schicksal? Er selbst oder seine El-tern?“ Dazu muss man wissen, dass diese Fragestellung in der damaligen Zeit eine absolut übliche Vorstellung war. Die Jünger sind also keine Unmenschen, dass sie solch eine Frage beim Anblick eines Kranken aufwerfen. Erkrankung galt damals ein Hinweis darauf, dass der Kranke oder auch Familienangehörige in irgendeiner Form gesündigt haben.

Wenn ich ehrlich bin, so ganz fremd ist uns diese Vorstellung nicht. Als Kind noch kann ich mich noch erinnern: Wenn ich mich in den Finger geschnitten hatte oder ein ähnlicher kleiner Unfall passiert ist, dann hieß es in meiner Umgebung gleich: „Die kleinen Sünden straft der liebe Gott gleich.“ Ich erinnere mich auch, dass nicht wenige kranke Menschen, denen ich begegnet bin, folgende Frage gestellt haben: „Was habe ich nur verbrochen, dass mich Gott so straft?“ Das ist irgendwie ein gnadenloses und unbarmherziges Gottesbild, das erstaunlich vielen Menschen scheinbar ganz tief eingepflanzt worden ist. Ein weit verbreitetes Gottesbild, das ich so nicht mehr teilen möchte.

Aber kommen wir zurück zu den Jüngern und dem blind geborenen Mann in Jerusalem: Die jünger stellen angesichts einer körperlichen Behinderung die damals geläufige Schuldfrage. Was aber zum Wesen dieser Frage gehört: Mit der Frage nach der Schuld halten die Jünger das Schicksal des blinden Mannes auf Abstand. Immer, wenn andere schuld sind, muss ich selbst keine Verantwortung für ein Problem über-nehmen. Ich kann selbst nichts tun, denn die Ursache des Übels liegt ja woanders, nämlich in irgendeiner Schuld. Es ist nicht meine Schuld, also kann auf innerlich Ab-stand gehen.

Tatsächlich lebt es sich einfacher, wenn ich die Welt klar aufteilen kann in „Schuldig und Unschuldig, Gut und Böse, Schwarz und Weiß“. Genau das ist ja das Erfolgsgeheimnis vieler politischer oder religiöser Systeme, Tendenz in der weltweiten Ent-wicklung: steigend. Immer mehr Staatsmänner geben solche einfachen Antworten. Und der Erfolg scheint diesen radikalen, fundamentalistischen Ansichten recht zu ge-ben. Offenbar suchen immer mehr Bürger und Wähler diese einfachen Antworten. Antworten, die uns davor bewahren, uns selbst mit den komplexen Problemen und auch mit konkreten Menschen zu beschäftigen. Die Welt wird so einfacher, über-schaubarer und damit weniger bedrohlich: „Der Herzinfarkt bei meinem Nachbarn musste ja kommen, er hat ja immer so viel gearbeitet. Und geraucht hat er auch noch.“ So einfach ist das. Oder ein Beispiel aus der Flüchtlingspolitik: „Es ist natürlich tragisch, dass so viele Menschen auf der Flucht ertrinken, aber letztlich sind sie ja auch selbst schuld. Sie hätten ja genauso gut in ihrer Heimat bleiben und die Verhältnisse dort verbessern können. Außerdem ist und bleibt diese Art der Einreise in ein fremdes Land illegal.“ „Selbst schuld“ – dieses Urteil entbindet von der eigenen Verantwortung. In der kommenden Woche jährt sich der Abwurf der ersten Atombombe in Hiroshima zum 75. Mal. Der Bomberpilot Paul Tibbets weist Jahrzehnte später in einem Interview jede Verantwortung von sich und kommt zu einem fast zynischen Schluss. Ich zitiere aus einem Interview: „Du wirst im Krieg immer unschuldige Menschen töten (…) Das ist eben ihr Pech, dass sie dort waren.“

Liebe Gemeinde, kehren wir an dieser Stelle noch einmal zu unserem Predigttext zurück: Nicht nur die Jünger nehmen den blinden Mann wahr. Auch Jesus selbst sieht ihn an. Die Art, wie Jesus den Blindgeborenen wahrnimmt, ist allerdings ganz anders: Die Frage nach der Schuld wischt er mit einem Satz vom Tisch. Jesus sagt: „Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern.“ Man könnte auch sagen: Jesus verweigert sich dem Blick zurück in die Vergangen-heit. Er gibt keine Erklärung für das „Warum“. Stattdessen blickt er nach vorne und stellt die Frage nach dem „Wozu“. Wozu ist dieser arme Mann blind geboren worden? Die Antwort aus dem Predigttext lautet: „Es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.“ Die entscheidende Frage ist also nicht: „Wer hat Schuld?“, sondern: „Was hat Gott mit diesem Menschen vor?“ Damit steigt Jesus aus dem System aus, das sich auf Schuld und Sünde fixiert. Stattdessen wendet er seinen Blick auf das, was diesem konkreten Mann in seiner konkreten Situation helfen könnte. Mit diesem anderen Blick nimmt er auch seine Jünger in die Pflicht. Er sagt: „Schaut nach vorne und handelt! Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist.“ Und so kommt es anstelle eines theologischen Lehrgesprächs zu einer Heilung.

Ich finde, dass uns Jesus einen ganz heilsamen Weg für unseren Alltag zeigt: Viel zu viele Menschen stellen bei einem Missgeschick immer wieder neu die Frage: „Wer hat Schuld?“ Ich stelle dann gerne die Gegenfrage: „Was hilft es dir, wenn du weißt, wer genau der Schuldige ist? Wird deine augenblickliche Notsituation besser dadurch?“ In der Regel bekomme ich dann ein „Nein“ als Antwort. Darum rate ich immer dazu: Verschwende nicht endlos viel Energie auf die Frage nach der Schuld. Lasst uns vielmehr gemeinsam alle Kräfte mobilisieren, um die Not zu lindern oder vielleicht sogar zu heilen. Jesus hat es uns vorgemacht.

Zum Thema Heilung finde ich es übrigens aufschlussreich, wie die Geschichte im Jo-hannesevangelium endet: Es fällt auf, dass Jesus keine „Blitzheilung“ an dem blinden Mann vornimmt, sondern ihn ganz bewusst an seiner Heilung beteiligt. Nachdem Jesus ihm einen Brei aus Spu-cke und Erde in die Augen gestrichen hat, schickt er ihn zum Teich Siloah. Das war der Teich östlich des Tempelberges gelegen, der damals die Wasserversorgung Jeru-salems sicherstellte. Der Blinde sich also auf den Weg – mit dem Gesicht voller Dreck und Spucke. Ich stelle mir vor, wie er an den Passanten vorbeiläuft, die sich über diesen seltsamen Anblick gewundert haben. Er geht los – am Anfang noch blind und tastend, – aber gleichzeitig ist er schon ausgestattet mit dem Vertrauen auf Jesus. Er überwindet zahlreiche Treppenstufen, lässt Angst und Scham hinter sich. Er lässt die Stimmen hinter sich, die ihm von Kindheit an eingeredet haben: „Du bist schuld! Du musst schuld sein, weil du so elend dran bist.“ Er geht weiter, – angetrieben vom Rückenwind, den der liebevolle Blick und die Zuwendung durch Jesus bei ihm ausge-löst haben. Schließlich erreicht er sein Ziel, wäscht sein Gesicht – und sieht zum ers-ten Mal die Welt mit eigenen Augen.

Der Weg dieses Mannes ist auch eine Ermutigung für uns: Die Ermutigung, immer wieder neu sehen zu lernen mit unseren Augen. Wir sollen nicht nach Schuld und Verurteilung suchen. Wir sollen mit dem Blick des Berliner Lehrers auf seine Schülerinnen und Schüler auf unsere Welt und auf unsere Mitmenschen schauen. Diesen neuen Blick einzuüben, braucht Zeit und Übung. Die Begegnung zwischen Jesus und dem Blindgeborenen hat wohl nur wenige Minuten gedauert. Bei uns kann so ein „Perspektivwechsel“ manchmal auch Jahre dauern. Es braucht Zeit, ganz bewusst den alten Blick zu verlernen, der auf die Vergangenheit und auf die Suche nach den Schuldigen fixiert ist. Unsere Augen brauchen Zeit, sich an das Licht zu gewöhnen, von dem Jesus im Predigttext auch spricht. Solange das Licht Gottes über uns leuch-tet, sollen wir die Welt im Licht der Liebe Gottes sehen.

Der Apostel Paulus hat das im 1. Korintherbrief im sogenannten Hohen Lied der Lie-be wunderschön formuliert: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich nur stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ (1. Korinther 13,12)

Machen wir uns, wie der Blinde in der Geschichte, auf den Weg. Lernen wir, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mit den Augen Gottes. Mit den Augen der Liebe. Und der Friede Gottes, der höher ist, als alles Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

(Nach einer Predigtskizze von Henning Strunk aus der Zeitschrift "Werkstatt für Liturgie und Predigt", bearbeitet von Hartmut Klausfelder)

 

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Liebe Gemeinde!

„Herzlichen Glückwunsch! Sie haben die Wahl genommen. Nehmen Sie die Wahl an?“ „Ja, ich nehme die Wahl an und bedanke mich für Ihr Vertrauen.“

Diese Worte sind euch allen vertraut. Wie ein Ritual schließen sie praktisch jede Wahlhandlung ab, ganz gleich ob ein Bürgermeister, eine Bundeskanzlerin, ein Präsident, eine Kirchenvorsteherin oder ein Vereinsvorsitzender gewählt wird. Der oder die Gewählte fühlt sich geehrt, weil ihm so viele Menschen Vertrauen entgegenbringen. Da wird es jemandem zugetraut, eine wichtige Führungsrolle zu übernehmen und auch schwierige Situationen zu meistern. Darum folgt auf die Bekanntgabe des Wahlergebnisses in den allermeisten Fällen auch das „Ja“ des oder der Gewählten, die Bestätigung: „Ja, ich bin bereit, diese Verantwor-tung zu übernehmen.“

Ich selbst bin erst vor einigen Tagen in den Genuss einer solchen Wahl gekommen, als man mich erneut zum 1. Vorsitzenden des Evangelischen Diakonievereins gewählt hat. Und natürlich habe auch ich diese Wahl angenommen und mich bedankt. Nicht nur unter dem Eindruck dieser Wahl auf der Jahreshauptversammlung des Diakonievereins am Donnerstagabend habe ich das Thema „gewählt sein“ für meine Predigt ausgesucht. Vor allem der Predigttext für den morgigen/heutigen Sonntag hat mich dazu angeregt, über das „Erwählt-Sein“ als Christen zu re-den. Denn als Christen haben wir ja alle einen ganz persönlichen Wahlsieg hinter uns. Das meine ich ganz ehrlich: Gott hat euch und mich, er hat jeden und jede der hier Anwesenden „gewählt“. Und weil Gott uns erwählt hat, darum hat jeder und jede von uns auch gewonnen, darum gehören wir zu den Siegern.

Hören wir einmal in unseren Predigttext hinein: Dazu müssen wir das 5. Buch Mose aufschlagen. Dort hält Mose, der große Anführer und Prophet, seine große Abschiedsrede. Das Volk Israel steht nach 40 Jahren Wüstenwanderung vor dem Einzug in das gelobte, von Gott versprochene Land. Mose ist alt geworden und wird diesen Einzug nicht mehr selbst miterleben. Darum richtet er ein letztes Mal eine groß angelegte Rede an sein Volk Israel. Eine Rede, die fast etwas von einem Testament hat, von einem Vermächtnis. Ich lese aus dem 5. Buch Mose im 7. Kapitel:

„Du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.“

Liebe Gemeinde! Das Volk Israel steht vor einer großen Aufgabe. Und darum wird gewählt, darum gibt es eine Wahl. Gott führt diese Wahl durch, - und mit seiner Wahl beschert er dem Volk Israel einen großen Wahlsieg. Ich blicke also auf den Predigttext gewissermaßen mit der „Wahlbrille“. Dabei sind mir drei Dinge aufgefallen:

  1. Die Wahl Israels kommt überraschend. Das Volk Israel ist weder groß noch mächtig, noch hat es aus der Vergangenheit irgendetwas Besonderes, her-vorragende Leistungen oder Erfolge vorzuweisen. Gottes Wahl fällt ausge-rechnet auf das kleinste aller damals bekannten Völker, - ein Wesenszug Gottes, der sich wie ein roter Faden durch die Bibel zieht: Das Kleine wird von Gott erwählt.
  2. Es hat einen doppelten Grund, warum Gott ausgerechnet das Volk Israel erwählt: Liebe und Treue. Gott erwählt Israel einfach deshalb, weil er die-ses Völkchen liebt, - und weil er schon den Ahnvätern Abraham, Isaak und Jakob versprochen hat, dieses Volk zu großem Ansehen zu führen. Gott ist also ein Gott, der nicht nach Leistung und Größe urteilt, sondern der aus Liebe heraus handelt. Und Gott ist ein Gott, auf den man sich verlassen kann. Was Gott verspricht, das hält er auch. Auch, wenn die Erfüllung Jahrzehnte oder Jahrhunderte auf sich warten lässt. Die Zusage steht.
  3. Wer zu Gott gehören will, der muss sich an Regeln halten. Mit der erfolg-reichen Wahl übernimmt Israel auch eine große Verantwortung. Die Men-schen aus dem heiligen Volk werden auf die Gebote Gottes verpflichtet: Auf die 10 Gebote mit all ihren Ausführungsbestimmungen. Gottes Liebe ist also groß, aber nicht billig. Nur, wenn sich die Menschen des Volkes Is-rael an Gebote und Gesetze halten, wird Gottes Plan gelingen. Sonst funk-tioniert das Ganze nicht. Sonst wird Israel die großen Aufgaben nicht schaffen.

Diese drei Grundzüge sind ganz elementar. Sie gelten immer, wenn Gott eine Wahl trifft, wenn Gott etwas oder jemanden erwählt. Die Erwählung Israels bleibt auch weiter bestehen. Trotzdem geht Gott Jahrtausende später noch einmal wählen - und zwar durch Jesus. Wenn man so will, könnte man Jesus als den neuen „Wahlleiter“ bezeichnen, vielleicht ein etwas ungewöhnlicher Vergleich. Ich finde ihn aber gar nicht so abwegig. Jesus kommt aus dem Volk Israel. Er bleibt Zeit seines irdischen Lebens gläubi-ger Jude. Aber mit Jesus überschreitet Gott die Grenzen des Volkes Israel. Ab jetzt werden alle Menschen erwählt, wenn sie Jesus als Herrn und Gott anerken-nen. Es kommt nicht mehr auf die Beschneidung oder auf die Volkszugehörig-keit an, sondern auf den Glauben.

Und dann gibt es durch Jesus noch eine wichtige Neuerung. In das Volk Israel wirst du hineingeboren – oder nicht. Für den Glauben an Jesus kannst und musst du selbst auch eine Wahl treffen: Und das ist die Taufe. Mit der Taufe sagst du „Ja“ zu Erwählung Gottes. Mit der Taufe entscheidest du dich bewusst, ob du die Wahl Gottes annehmen willst oder nicht. Grundsätzlich bleibt es dabei: Gott trifft die alles entscheidende Wahl. Und es bleibt auch dabei, dass Gott keine Vorbedingungen macht: Es kommt nicht darauf an, was du schon geleistet oder bezahlt hast. Es kommt nicht auf Schön-heit und Erfolg an, nicht auf die sprichwörtliche weiße Weste. Gottes Liebe ist einfach so wunderbar groß. Genauso gelten natürlich auch für uns Christen die Zehn Gebote, wenn auch in Einzelfällen in etwas anderer Auslegung: Aus dem Sabbat wird der Sonntag, und das Essen von Schweinebraten ist zwar, gesundheitspolitisch gesehen, kein „Superfood“, aber doch erlaubt.

Nach der Überzeugung unserer beiden großen Kirchen spielt es auch keine entscheidende Rolle, ob ich das „Ja“ zur Erwählung Gottes direkt im Zusammenhang mit der Taufe spreche, weil ich erst als Jugendliche oder als Erwachsener getauft wurde. Die Konfirmation bildet bei uns Evangelischen ganz zurecht eines der großen kirchlichen Feste, weil hier das nachträgliche „Ja“ zu Gottes Er-wählung feierlich zelebriert wird. Es gehört zu den Höhepunkten jeder Konfirmation, wenn die Konfirmanden am Taufstein stehen, miteinander ihr „Ja mit Gottes Hilfe“ sprechen, feierlich das Glaubensbekenntnis sprechen und dann ihre Tauferinnerungskerzen an der Christuskerze anzünden. Nein, wo und wann dieses „Ja“ zu Gott gesprochen wird, das spielt keine entscheidende Rolle, bei der Taufe oder bei der Konfirmation. Dafür ist für mich entscheidend, was Mose in unserem Predigttext bereits vor Tausenden von Jahren ausgesprochen hat: „Nicht hat euch der HERR erwählt, weil ihr größer wärt als alle Völker ….sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat.“

In den zurückliegenden Wochen ging es ja wieder durch alle Zeitungen, und es war in allen Nachrichten zu hören: Unsere beiden großen Kirchen verlieren mit atemberaubender Geschwindigkeit die Mehrheit im deutschen Volk. Rekordzah-len an Kirchenaustritten werden beklagt. Auch in der Kirchengemeinde Neustadt am Kulm vergeht kein Monat, in welchem nicht ein oder mehrere Austritte aus der evangelischen Kirche gemeldet werden. Wir verlieren an Mitgliedern, an Einfluss und natürlich auch an Geld. Solche „Rückzugsgefechte“, wie sie unsere großen Kirchen seit Jahren und Jahr-zehnten erleben, die zehren am Selbstvertrauen: Bei engagierten Pfarrerinnen und Pfarrern, bei Kirchenvorständen und Mitarbeitern kommt fast zwangsläufig die Frage auf: Was haben wir falsch gemacht? Liebe Gemeinde! Es würde jetzt viel zu weit führen, die genauen Gründe für die anhaltend hohen Kirchenaustrittszahlen zu erörtern. Aber dieser Predigttext macht mir Mut. Denn Gott sagt: „Auf deine Größe kommt es nicht an. Nicht auf deine persönliche Körpergröße, nicht auf deine Körpermaße, es kommt auch nicht auf die Größe deines Kirchengebäudes an, ob dein Kirchturm einen Meter höher ist, als der von der katholischen Nachbarge-meinde. Und es kommt auch nicht auf die zahlenmäßige Größe deiner Kirchenmitglieder an oder auf die Höhe an finanziellen Rücklagen. Ich liebe dich – und nicht deine Zahlen, die du vorzuweisen hast.“

Eine andere Sache sollten wir in diesem Zusammenhang nicht vergessen: Zum Glauben an Jesus Christus gehört die Freiheit. Nicht die Freiheit, dass ich als Christin oder Christ tun und lassen kann, was ich will. Aber die Freiheit, „Ja“ zu Gott zu sagen oder ihm den Rücken zu kehren. Die Kirchenaustritte sind zu respektieren und müssen nicht gleich die Frage nach Schuld oder Versäumnissen nach sich ziehen. Im Gegenteil: Kirchenaustritte zeigen positiv, dass bei uns Christen Freiheit groß geschrieben wird, weil wir niemanden deshalb diskriminieren. Der Glaube an Jesus ist immer eine ganz persönliche Entscheidung. Und diese ist zu respektieren, - ob wir sie nachvoll-ziehen können oder nicht.

Trotzdem gilt auch: Diejenigen, die sich für das „Ja“ zu Gott dauerhaft ent-scheiden, die gehören zu den Gewinnern. Das ist meine ganz feste Überzeugung. Es ist kein Gewinn, der sich Zahlen und Daten festmachen lässt und den man auf dem Bankkonto hat. Es ist ein Gewinn für meine Seele, für meine Cha-rakterstärke, für meine Fähigkeit, mit Krisen und Scheitern umzugehen, ein Gewinn für den Umgang mit Leiden, Tod und Sterben. Jesus ist Sieger über Krankheit, Sünde und Tod – und ich gewinne mit ihm.

Liebe Gemeinde! Freuen wir uns also über unseren ganz besonderen Wahlsieg und dass wir die Wahl angenommen haben. Und haben wir keine Angst, dass unsere Kirche klei-ner wird. Unser dreieiniger Gott hat uns erwählt. Er wird uns den Weg zeigen, der gut für uns ist, - persönlich und als Gemeinschaft. Ihr wisst doch: Gott hält seinen Eid, den er vorzeiten den Vätern geschworen hat. Gott hält, was er verspricht. Amen.

 

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Liebe Gemeinde!

Sie alle kennen sicherlich die Redewendung: „Der/Die ist doch total von der Rolle“. Was meinen wir damit, wenn wir diesen Ausspruch in den Mund nehmen? Nun: Im Umgangssprachlichen ist das eine andere Bezeichnung für „Der/Die ist voll-kommen verrückt geworden.“ oder „Der/Die dreht jetzt vollkommen durch.“ Aber von ihrem Ursprung her erinnert die Redewendung „von der Rolle sein“ an das Theaterspielen, wo jeder Schauspieler und jede Schauspielerin seine oder ihre Rolle genau einhalten und genau spielen muss, damit das Theaterstück gelingt.

Nun spielen - im Ganzen gesehen - nur sehr wenige Menschen professionell oder freizeitmäßig Theater. – Aber trotzdem hat jeder und jede von uns immer wieder seine oder ihre ganz persönliche Rolle. Und von jedem von uns wird unausgesprochen erwartet, dass er oder sie in den unterschiedlichsten Bezügen seine Rolle spielt und einhält. Zum Beispiel in der Familie: Da gibt es immer noch, trotz Emanzipation, meist festgelegte Rollen für das, was Männerarbeit und Frauenarbeit ist. Der eine sitzt am Computer, regelt Geldangelegenheiten, baut am Haus oder Hof herum und geht sonntags zum Frühschoppen. Dagegen steht die andere in der Regel in der Küche oder in der Waschküche, erzieht die Kinder, strickt, geht zum Kaffeekränzchen und sonntags in die Kirche. Auch bei den Kindern gibt es oft festgelegte Rollen: Der eine wird ein Leben lang der „Benjamin“ in der Familie bleiben, der „Kloi“, wie man hier in der Gegend sagt, - auch dann noch, wenn er im Erwachsenenalter über 1,90 Meter groß ist. Die andere bleibt dagegen immer die „Große“, weil sie als erste geboren wurde mit all den Erwartungen, die sich damit verbinden und die viele Kinder ein Leben lang verinnerlichen. Die eine hat die Rolle des Lieblingskindes zu spielen, der andere bleibt ein Leben lang auf die Rolle des Sündenbocks festgelegt, und und und ... Aber nicht nur in einer Familie gibt es solche festgelegten Rollen, die uns zuge-teilt werden und die wir mehr oder weniger gern, aber meistens auffallend zu-verlässig spielen. Auch in einer Dorfgemeinschaft, im Verein, auf der Arbeit und nicht zuletzt in einer Kirchengemeinde gibt es bestimmte Rollen, angefan-gen vom „Arbeitstier“, das unermüdlich rackert, über den „Einfaltspinsel“, dem man nichts zutraut und lieber keine verantwortungsvollen Tätigkeiten übertra-gen kann, über die „Stimmungskanone“, die jedes Fest und jeden Stammtisch bereichert, über den „Miesepeter“, der überall ein Haar in der Suppe finden muss, über „Kreativling“, der tolle Ideen hat, aber manchmal keinen Nagel in die Wand schlagen kann, bis hin zum „Leithammel“, der den Weg und die Rich-tung für die gesamte Gruppe oder Gemeinschaft bestimmt. Und dazwischen liegen unzählige andere Rollen …. Wichtig ist mir an dieser Stelle eines: Jeder spielt in seinem Leben nicht nur eine Rolle, sondern mehrere Rollen, je nachdem, in welchen Zusammenhän-gen und in welcher Gemeinschaft er verkehrt. Diese Rollen können manchmal vollkommen gegensätzlich sein: Der untergebene Duckmäuser auf der Arbeit kehrt zuhause schon einmal den großen Pascha heraus, und umgekehrt. Die eine Rolle, die uns zugeteilt ist, liegt uns mehr und ist uns manches Mal wie auf den Leib geschnitten, unter einer anderen Rolle leiden wir schon seit langem und würden sie am liebsten abgeben. Aber das ist nicht so leicht. Denn wir spielen hier nicht Theater auf irgendeiner Bühne. Wir spielen hier unsere Rollen auf der Bühne des Lebens. Und aus dem Leben kann man nicht so leicht aussteigen, wie man es aus einer Laienspielgruppe oder einem Ensemble tut.

Liebe Gemeinde! Wir machen jetzt einen Zeitsprung in die Welt der Bibel. Wir springen in der Zeit zurück und begeben uns in das Heilige Land an den See Genezareth, wo Jesus seine ersten Jünger beruft. Ich lese den Predigttext, die berühmte Erzählung von wundersamen „Fischzug des Petrus“, aufgezeichnet beim Evangelisten Lukas im 5. Kapitel:

„Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwor-tete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie mit-einander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.“

Liebe Gemeinde! Mir ist aufgefallen dass in dieser Geschichte die Fischer gleich in doppelter Hinsicht „von der Rolle sind“:

Ich habe mich zuerst einmal gefragt: Was spielen die Fischer am See Genezareth für eine Rolle? Nun, sie wurden hineingezwängt in die Rolle der armen Schlucker. Im sozialen Gefüge der damaligen Gesellschaft standen Fischer ganz unten, hatten im Grunde den gleichen Status wie die „Tagelöhner“, die manchmal nicht wussten, womit sie ihre Familie ernähren sollen. Dann näm-lich, wenn sie nichts gefangen hatten, was sie später auf dem Markt verkaufen konnten. So auch an diesem Tag, von dem unser Evangelium erzählt: Wieder einmal gehen Simon und Andreas, Jakobus und Johannes leer aus. In der Nacht haben sie nichts gefangen. Aber sie tragen ihre Rolle gleichmütig. Man hört sie nicht klagen. Nein, sie sitzen da und reinigen ihre Netze. Und dann werden sie es nächste Nacht wieder versuchen. Mal mit mehr und mal mit weniger Glück. Aber immer werden sie ganz unten bleiben. Das Verliererimage wird ihnen bleiben. Ein sozialer Aufstieg ist sowieso unvorstellbar in der damaligen Zeit. Also bleiben sie bei ihrer Rolle: Arm und auf der Seite der Verlierer. Sie bleiben in ihrer Rolle, bis Jesus kommt. Und dann passiert es. Nach seiner Predigt fahren die Fischer mitten am helllichten Tag auf den See, und zwar dort, wo es tief ist. Das ist im Grunde eine „doppelte Unmöglichkeit“: Denn jeder Fischer weiß, dass nur nachts die Fische vom Grund des Sees nach oben kommen. Und wenn schon am Tag fischen, dann doch im seichten Uferbereich und nicht in der Mitte, wo es tief ist. Das wissen auch Simon und die anderen Fischer, - aber sie fahren trotzdem. Ja, sind denn die Männer alle total von er Rolle? So wird sich mancher Zu-schauer am Ufer des Sees gedacht haben. Wir wissen natürlich, warum die Fischer so „von der Rolle“ waren: Jesus hat sie dazu aufgefordert. Und diesem Jesus haben die Fischer geglaubt. Geglaubt wider besseres Wissen. Simon hat nicht zu Jesus gesagt: „Das geht so nicht. Das haben wir schon immer anders gemacht. Da könnte ja jeder kommen. Lerne erst einmal etwas über die Fischerei, bevor du uns kluge Ratschläge erteilst.“ Nein, so haben Simon und die anderen nicht reagiert. Stattdessen sagt er: „Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“ Die Fischer sind also von der Rolle, - und machen dabei einen atemberaubenden Fang.

Nun aber fallen die Fischer in der Geschichte zum zweiten Mal völlig aus der Rolle: Als Jesus Simon und die anderen in seine Nachfolge beruft, da gehen sie mit. - Einfach so. Sie lassen alles liegen und stehen und gehen mit ihm. Sie verkaufen ihren wunderbaren Fischfang nicht auf dem Markt, um dann ihre Familien zu ernähren. Nein, sie werden Jünger. Jeder neutrale Beobachter hätte gesagt: „Was ist denn in die gefahren? Sind die denn total von der Rolle? Ihre Familien im Stich lassen? Auf eine geregelte Arbeit verzichten? Warum denn das?“

Ja, warum? Ich glaube, die Jünger haben gespürt, dass sie mit Jesus in eine andere, bessere Rolle schlüpfen können. Sie glauben, dass sich mit Jesus etwas verändert. Wie sagt Jesus in den Seligpreisungen ein Kapi-tel später im Lukasevangelium: „Selig seid ihr, Armen; denn das Reich Gottes ist euer. Selig, wenn ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig, wenn ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.“ Das ist der Grund, warum Simon und die anderen so von der Rolle sind. Sie wissen: Wenn ich jetzt aussteige, dann falle ich nicht ins Ungewisse oder Bo-denlose. Auch unsere Familien nicht. Wir bekommen eine neue Rolle. Eine Rolle, die mir nicht die Gesellschaft oder die römischen Besatzer zugewiesen haben, sondern Gott selbst. Die neue Rolle, das ist meine Bestimmung. - Und so werden aus den erfolglosen Fischern mit Verliererimage die ersten Jünger Jesu, die Keimzelle einer Weltreligion.

Liebe Gemeinde! Was sagt uns diese berühmte Geschichte von „Fischzug des Petrus“, vor allem, wenn man sie unter diesem Blickwinkel von Rollenwechsel und „Von-Der-Rolle-Sein“ betrachtet? Ich würde sagen: Jesus lädt uns ein, über unsere Rollen nachzudenken: Habe ich auch so eine Rolle auf der Arbeit, in der Familie, in der Gruppe, die mich dauernd zum Verlierer oder zum Dummen macht? Was ist meine Bestimmung? Was hat Gott mit mir und meinem Leben vor? Das heißt natürlich nicht, dass wir jetzt alle unsere Arbeit niederlegen sollen und Wanderprediger werden. Aber die Geschichte vom wunderbaren Fischfang macht deutlich, dass es manchmal auch nötig und heilsam sein kann, „von der Rolle zu sein“. Dann, wenn ich in meiner neuen Rolle die Art von Leben finde, für die ich geschaffen bin, - für die Gott mich geschaffen hat. Und wenn ich meine Bestimmung schon gefunden, wenn ich es nicht nötig habe, von der Rolle zu sein, weil es mir richtig gut geht, dann ist es umso besser. Dann dürfen wir uns auch selig preisen.

Amen.

 

Pfarrer Hartmut Klausfelder

Liebe Gemeinde!

Wissen Sie, was der Name Michael bedeutet? Der Name „Michael“ kommt aus der hebräischen Sprache, aus der Sprache des Alten Testamentes. Mi-cha-el ergibt übersetzt einen ganzen Satz, einen Fragesatz: Michael bedeutet: „Wer ist wie Gott?“ Tja, - wer ist wie Gott? Auf diese Frage würde ich spontan antworten: „Keiner“. – Jedenfalls keiner von uns Menschen. Manche Menschen erliegen zwar immer wieder einmal der Versuchung, sich an die Stelle Gottes setzen zu wollen. Aber so zu sein, wie Gott, das kann keiner. Gott ist ganz anders, er denkt ganz anders, plant und handelt anders.

Anhand von zwei Beispielen möchte ich Ihnen dieses Anders-Sein ein wenig näher erläutern:

Das erste Beispiel: Wir Menschen denken manchmal fast zwangt in dem Zweigespann von Schuld und Strafe. Gott tut das nicht. Wenn wir Menschen etwas verloren haben oder wenn etwas kaputtgegangen ist, was sind unsere ersten Gefühlsregungen? Natürlich ist das der Ärger, die Wut, - und der Vorwurf an andere oder an mich selbst: „So ein Mist! Wie kannst du nur so blöd sein! Warum hast du nicht besser aufgepasst?“ Ganz typische Sätze sind das, - wobei das „Du“ sich entweder auf einer andere Person, oder auch auf mich selbst beziehen kann. Wir suchen in der Regel sofort einen Schuldigen und betrachten das Missgeschick dann als Strafe für die Schuld. - Offenbar brauchen Menschen das. Sogar beim Tod eines geliebten Menschen erlebe ich es nicht selten, dass sich Angehörige die unvermeidliche Frage nach der Schuld stellen: Haben die Ärzte im Krankenhaus etwas falsch gemacht, die richtige Diagnose vielleicht zu spät gestellt, das falsche Medikament verabreicht? Haben wir selbst uns zu wenig um den Verstorbenen gekümmert, nicht rechtzeitig auf die Anzeichen des Herzinfarktes oder des Schlaganfalls geachtet? Oder noch schlimmer: Ist es unsere Schuld, dass sich dieser oder jener das Leben genommen hat? Hätten wir das verhindern müssen? Ja, diese nicht enden wollenden Fragen nach dem Schuldigen, sie liegen einfach in der Natur des Menschen, mal mehr und mal weniger ausgeprägt. Und es hat keinen Sinn, diese aufkommenden Fragen zu verdrängen. Dass dann beim Stichwort „Schuld“ fast automatisch die „Strafe“ mitschwingt, können wir ebenso wenig verhindern …. Wie aber sieht es aus der Perspektive Gottes aus, wenn ein Missgeschick oder gar eine Katastrophe passiert. Gott sieht auch die Schuld, - und er legt den Finger oft schmerzhaft in die Wunde. Aber was er dann tut, zielt auf Heilung, nicht auf Strafe. Jetzt wird vielleicht mancher Hörer sofort einwenden und sagen: „Aber die Bibel ist doch voll von Ereignissen, die als Strafe Gottes für die Sünden der Menschen beschrieben werden ….“ Das ist schon richtig. Aber diese Bestrafungen sind letztlich nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zur Heilung. Gott begegnet uns oft zornig in der Bibel. Aber Gott überwindet seinen Zorn – und vergibt. Wir Menschen tun uns mit der Vergebung schwer. Und am allerwenigsten können viele sich selbst vergeben. Es tut mir als Seelsorger oft richtig weh, mitansehen zu müssen, wie Menschen in einer Endlosschleife von Schuldgefühlen und Selbstbestrafungen gefangen sind. Nicht selten kann man seinen Mitmenschen nicht verzeihen, weil man mit sich selbst ebenso unbarmherzig und gnadenlos umgeht. – Wir sind eben nur Menschen. Die Schuld selbst abnehmen, sich selbst „entschuldigen“ im wort-wörtlichen Sinn- das schaffen wir nicht. Wir können vielleicht „Entschuldigung“ sagen, die die damit zusammenhängende Last von den Schultern nehmen, das können wir mit dem Aussprechen dieses Wortes nicht. Das muss jemand anders tun. UIch denke, dass es darum oft so wenig Heilung und Heil auf dieser Welt gibt: Weil sich die Menschen mit dem Vergeben so schwer tun, mit dem Vergeben der eigenen Fehler und mit dem Vergeben der Schwächen der anderen. – Aber so sind die Menschen halt ….

Kommen wir zu einem zweiten Beispiel, wo wir Menschen ganz anders „ticken“ als Gott : Wir Menschen denken fast automatisch im Zweigespann von Tun und Ergehen: „Jeder bekommt, was er verdient.“ Anders ausgedrückt: Heilung und Heil gibt es nur für den, der sich etwas erarbeitet, der etwas vorzuweisen hat. Es ist doch so: Wer empfindet schon Hochachtung vor einem Faulpelz? Und wo stünde uns Land, wenn sich nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg die Deutschen nicht fleißig und beständig hochgearbeitet hätten? Diese Denkweise hat also durchaus ihre Berechtigung. Aber oft geraten Menschen in die Versuchung, dieses Denken von „Tun und Ergehen“ auf alle Lebensbereiche anzuwenden. Sicher, wir leben von dem, was wir uns erarbeitet haben. Wir leben aber genauso viel auch von dem, was uns geschenkt wird, was uns in den Schoß fällt. Anders ausgedrückt: Barmherzig kann nur der sein, der sich selbst auch beschenken lässt. Es gibt Dinge, die wir uns eben nicht erarbeiten können: Freundschaft, Liebe und Vergebung zum Beispiel, die lässt sich nicht erarbeiten, nicht erzwingen und auch nicht verdienen. Wie könnten wir glücklich sein ohne Freundschaft und Liebe? Und genau das lässt sich nicht verdienen. Gott ist anders. Er denkt nicht in Kategorien von „Tun“ und „Ergehen“, auch, wenn es manchmal auf den ersten Blick in die Bibel danach aussieht. Sonst hätte Gott diese Welt schon mindestens hundertmal vernichten müssen …. Sonst hätte der Vater im Gleichnis aus unserer Evangeliumslesung, sonst hätte der Vater seinen „Verlorenen Sohn“, der zu ihm zurückkehrt, zum Teufel jagen müssen, - wenn jeder nur das bekommt, was er verdient. Von der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach stammt das Zitat: „Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.“ Gott ist die Liebe. Seine Liebe ist unendlich groß. Anders, als bei uns Menschen. Darum kann er reichlich Liebe austeilen, ohne, dass er dafür ausreichend Gegenleistung bekommt. Gott sei Dank kann er das. Denn nur so wird Vergebung möglich.

Michael – Wer ist wie Gott? Oder anders übersetzt: „Wo ist solch ein Gott zu finden, wie du bist?“ Der Name ist also Programm. Er ist auch Programm für das Buch, das nach dem gleichnamigen Propheten benannt ist: Im Alten Testament findet sich unter den so genannten „Zwölf kleinen Propheten“ das Buch des Propheten Micha. Und dieses Buch endet mit einem wunderbaren Lobpreis auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Dieser Abschluss des Micha-Buches ist der für heute vorgesehene Predigttext. Und er beginnt mit der Frage, die auf den Namen des Propheten anspielt: Michael – Wer ist wie Gott? Ich lese aus dem Buch des Propheten Micha im 7. Kapitel:

„Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.“

Liebe Gemeinde! Die letzten beiden Kapitel des Michabuches, die Kapitel 6 und 7, nehmen uns in eine fiktive Gerichtsverhandlung mit hinein: Gott sitzt über sein Volk Israel zu Gericht, über sein Volk, das er so sehr liebt und das ihn so arg enttäuscht hat. Israel ist wie der Verlorene Sohn. Israel ist von Gott weggelaufen, hat sich von Gott entfernt, hat sich von dem entfernt, was gut und richtig ist. Die Folgen sind nicht zu übersehen: Das Nordreich Israel existiert nicht mehr, es wurde von den Assyrern besiegt und zerstört. Und das Südreich Juda, wo der Prophet Micha lebt, macht auch keine bessere Figur. Also hält Gott Gericht. Und das Gerichtsurteil im Sinne von Schuld und Strafe, von Tun und Ergehen, müsste lauten: „Zerstörung“. Aber plötzlich wendet sich das Geschehen völlig überraschend. Das Volk Israel zeigt sich in der Gerichtsverhandlung als reuiger Sünder. Und Gott verwandelt sein vernichtendes Urteil in einen Freispruch.

Unerhört ist das, - also aus menschlicher Sicht unerhört. Ein berechtigtes Strafurteil nur wegen etwas Reue in einen Freispruch umzuwandeln. Wer weiß, ob es Juda mit seiner Reue ernst meint … Aber Gott tut das einfach so. Er spricht nicht frei, weil sein Volk etwas vorzuweisen hätte, was vielleicht mildernde Umstände rechtfertigen würde. Er spricht sein Volk auch nicht frei, weil die Reue irgendwie nachweisbar glaubwürdig klingt. Er macht etwas, das unserem menschlichen Gerechtigkeitsempfinden völlig zuwider läuft. Er wandelt die verdiente Strafe in einen unverdienten Freispruch um. Gott macht ständig solche seltsamen Dinge: Anstelle einige Jahrhunderte später eine zweite Sintflut über die Welt kommen zu lassen, schickt er Jesus. Dieser Jesus feiert mit Zöllnern und Sündern und stößt die angesehenen frommen Pharisäer ein ums andere Mal vor den Kopf. Es kommt, wie es kommen muss: Jesus wird verurteilt und hingerichtet, - und so erlöst Jesus die Welt von ihren Sünden. Einfach nur so. Obwohl ihm so viel Leid angetan wurde ….

Gott will das Heil der Menschen. Gott, will, dass die Sünder eine Chance bekommen, sich zu bekehren. Gott will nicht den Tod des Sünders. Dieser Gedanke findet sich auch immer wieder in den Schriften des Alten Testamentes. Darum schließt auch beim Propheten Micha, das Buch mit einer Hoffnungsbotschaft: „Wo ist solch ein Gott zu finden, wie du bist, der die Sünde vergibt, der sie mit seinen Füßen zertritt und in die Tiefen des Meeres wirft.“ Tiefer geht es gar nicht mehr. Dieser Sondermüll ist auf dem Meeresgrund tatsächlich gut aufgehoben. Wir Menschen müssen nur eines tun: Wir müssen umkehren und wieder zu ihm kommen.

Liebe Gemeinde! Der Predigttext aus dem Buch Micha ist eine Einladung. Eine Einladung, diese gnadenlose Welt zu heilen. Kehrt um zu Gott! Durchbrecht den ewigen Kreislauf von der Suche nach Schuldigen und der Bestrafung der Schuld, die dann nur noch mehr Elend erzeugt! Durchbrecht den Kreislauf von „Haste was, dann biste was.“ Lasst euch beschenken von dem, was ihr euch selbst nicht schenken könnt: Lasst euch Liebe und Vergebung schenken. Diese Liebe von Gott ist übrigens nicht billig: Gott kann auch zornig sein. Gott klagt auch an und straft. Aber dann besiegt er die Strafe und die Schuld. Das ist viel mehr wert, als wenn man die Schuld einfach ignoriert, wenn man alles durchgehen und alles gut sein lässt. Als Christen leben wir in der Hoffnung, das sich alles zum Guten wenden kann. Darum lohnt es sich, zu ihm umzukehren, zum barmherzigen Vater, wie der verlorene Sohn.

Amen.

 

Pfarrer Hartmut Klausfelder
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