Ob siebzig oder siebzehn,
im Herzen eines jeden Menschen wohnt
die Sehnsucht nach dem Wunderbaren.

Du bist so jung wie Deine Zuversicht,
so alt wie Deine Zweifel,
so jung wie Deine Hoffnung,
so alt wie Deine Verzagtheit.

Albert Schweitzer

Gereimte Predigt über Matthäus 17,1-9 und Markus 9,2-8

In meiner Predigt heut‘ vor Ort,
da dreht sich alles um ein Wort,
das wir gerne dann verwenden,
wollen wir die Botschaft senden:
„Früher war es doch so schön.
Das wirst du sicher auch so seh’n.
Es war doch eine gute Zeit,
geprägt von viel Zufriedenheit.
Das wär es doch, was wir jetzt bräuchten.“
Die Augen fangen an zu leuchten.
Wenn dann ein Seufzer noch erklingt,
dann ist der Redner unbedingt
dabei die Sache zu „verklären“
in himmelblau und rosa Sphären,
beschönigt etwas, das ganz klar
in Wirklichkeit so schön nicht war.
Doch hat es sich bei uns bewährt,
dass man rückschauend viel „verklärt“.

Das Wort „Verklären“ kommt von „Klarheit“
Doch leider ist es mit der Wahrheit
beim „Verklären“ so‘ne Sache,
wenn ich die Dinge schöner mache,
maskiere und romantisiere,
doch leider dann den Blick verliere
für das Leben ganz real.
Doch das scheint uns dann ganz egal.
Verklärung macht schon ganz schön blind.
Ganz schnell wir in Gefahr dann sind.
Denn es gibt Menschen und auch Gruppen,
die sich als radikal entpuppen
und eine Zeit schrecklich verklären,
wo man den Führer musste ehren.
Wer so verklärt, der wird leicht braun.
D’rum müssen wir ganz dringend schau’n,
dass wir den wichtigen Begriff
versehen mit dem richt’gen Schliff.
Wer nur Schönfärberei erfährt,
dem ist „verklärt“ verkehrt erklärt.
Wer nur die alte Zeit beschwört,
der hat „verklärt“ verkehrt erklärt.

Wo kommt das Wort ursprünglich her?
Ganz viele wissen das nicht mehr.
Sein Platz war in der Religion.
Denn die Ägypter wussten schon,
dass sich im Tod die Seele wandelt.
Um einen Kult es sich hier handelt:
Um sich fürs Jenseits zu bewähren,
musst‘ die Seele sich verklären.
Dafür gab’s den Totenkult.
Und hatte man genug Geduld,
bekam der Tote ewig’s Leben,
das durch Verklärung ihm gegeben:
So erleuchtet und gereinigt
sich die Seele dann vereinigt
mit dem Geist zum einem „Ach“,
Geist-Seele unter einem Dach.
Fürs Jenseits wurde man verklärt,
was sich beim Pharao bewährt.

Auch in der Bibel war bekannt,
dass die Verklärung gut verband
das irdisch und das himmlisch Wesen,
so ist‘s bei Jesus auch gewesen.
Dreimal wird das sogar erzählt.
Darum hab ich heut‘ ausgewählt,
was in den Evangelien steht,
als Jesus einen Berg hoch geht.
Natürlich ist er nicht allein.
Es sollten Jünger bei ihm sein,
die ihm besonders wichtig waren,
eng vertraut nach all den Jahren:
Drei Jünger waren’s an der Zahl.
Auf sie fiel öfters Jesu Wahl.
Den Petrus kennen wir ja gut.
Er neigt schon mal zum Übermut.
Jakobus, er ist auch dabei
Und mit Johannes sind’s dann drei.

Sie steigen also hoch hinauf.
Dann nimmt das Wunder seinen Lauf:
Jesus wird zur Lichtgestalt.
Die Kleider leuchten weiß und bald
da sind Gesicht und Körper ganz
erfüllt von hellem Lichterglanz.
Und plötzlich taucht Elia auf.
Moses Erscheinung setzt eins drauf.
Drei große Männer auf dem Berg.
Da fühlt man sich fast wie ein Zwerg.
Als wären die drei gut bekannt,
so reden sie nun miteinand.
Die Jünger staunen da nicht schlecht.
Doch eigentlich ist‘s ihnen recht:
Jesus steht da ganz verklärt.
Ein Wunder wurde hier beschert.
Und fasziniert ruft Petrus: „Wow!
Hier lebt sich‘s gut. Ich bau
für jeden von euch eine Hütte
und die von Jesus in die Mitte.
Elia, Jesus, Mose wohnen
jetzt unter uns. Das wird sich lohnen.
Der Himmel kehrt hier bei uns ein.
Es ist zu schön, um wahr zu sein.“
Ein Petrus mit verklärten Augen:
Kann das, was er sagt, hier taugen?
Denn Petrus redet ganz schön viel.
Doch Gott verfolgt ein and’res Ziel.
Eine Wolke überschattet sie.
Die Jünger fallen auf die Knie.
Dann ertönt mit lautem Ton:
„Das ist mein geliebter Sohn.
Auf seine Worte sollt ihr hören.
Meinen Plan darf niemand stören.“
Auf einmal ist es still dort oben
nach dem ganzen wilden Toben,
weiße Kleider, Glanz und Licht,
dann die Botschaft, die Gott spricht.
Jesus zu den Jüngern geht:
„Habt keine Angst. Schaut auf und seht!“
Die Jünger schau’n – und glauben’s nicht
Jesus steht im Sonnenlicht,
ein Mensch, normal, wie du und ich,
die Jünger staunen, wundern sich.
„Elia, Mose, - sie sind weg.
Verfolgt das alles einen Zweck?“
Petrus versteht die Welt nicht mehr.
Er fühlt sich g’rade ziemlich leer.
Jesus sieht ihn freundlich an.
Nach einer Weile sagt er dann:
„Ihr habt die Zukunft grad geseh’n.
Doch es wird Zeit, dass wir nun geh’n.
Schaut, wir leben in der Gegenwart
Und die ist leider ganz schön hart.
Von der Zukunft lasst euch tragen.
Doch ich verbiete euch zu sagen,
was ihr auf diesem Berg geseh’n.
Erst muss ich vorher aufersteh’n.“
Dann laufen sie den Berg hinab.
In der Hand den Wanderstab.
Am Ende dieser Berg-Geschicht‘,
verstehen die drei Jünger nicht,
was ihnen Jesus wollte zeigen.
Das sollten wir hier nicht verschweigen.

Ja, der Weg ist ziemlich weit
zur verklärten Seligkeit.
Das wird uns, glaub ich, ziemlich klar.
Der Text der Bibel hilfreich war.
Verklärung ist kein schöner Traum.
Die gute alte Zeit hilft kaum.
Unser Glaube spielt im Jetzt.
Die Gegenwart, sie wird geschätzt,
auch, wenn sie dann ganz schnell vergeht
und der Wind darüber weht.
Verklärung lenkt nach vorn den Blick,
Das Leben ist nicht nur Geschick.
Wir Christen sehen schon das Ziel.
Das ist gewaltig, das bringt viel.
Wir irren nicht hilflos herum,
wenn man fragt: Wozu? Warum?
Warum ich auf der Erde bin,
das ist SEIN Wille, das macht Sinn.
Jede Antwort weiß ich nicht,
doch im Glauben seh‘ ich Licht,
das über allem Chaos steht,
das Wege zeigt und nicht vergeht.
Im Lichte göttlicher Verklärung
erfahr’n wir mancherlei Erklärung.

Doch unser Platz ist hier auf Erden,
auch, wenn wir einst verklärt sein werden.
Jesus geht vom Berg herunter
Und wir mit ihm, getrost und munter.
Willkommen unten in der Welt!
Vieles dreht sich dort ums Geld.
Man meint, der wird nur wirklich satt,
der viel besitzt und Einfluss hat.
Die Kirche, sie wird ausrangiert,
an Mitgliedern sie stark verliert.
Weniger Einfluss, wenig Geld.
Willkommen unten in der Welt.
Doch wär es jetzt fatal zu fliehen
und aus der Welt jetzt auszuziehen.
Wer solches will, dem sag ich schlicht.
Verklärte tun so etwas nicht.
Geht als Christen jetzt hinein,
getragen von dem hellen Schein.
Jesus sagt: „Ihr seid das Licht
der Welt. Fürchtet euch nicht!“
Freilich, die Aussichten sind trist:
Gespalten die Gesellschaft ist
und an den Enden radikal
und der Tonfall so brutal.
Höchste Zeit für Gottes Licht
und für uns die Zuversicht.

Schon Albert Schweitzer hat gesagt,
als er im Leben hochbetagt:
„Die Zuversicht, sie hält uns jung.
Wer hofft, erlebt Bereicherung.
Wer immer zweifelt, wird schnell alt
und wer verzagt, vergeht schon bald.“
Drum, liebe Christen, nicht verzagen
Und lasst uns diese Welt ertragen.
So hat es Jesus auch getan.
So fing das neue Leben an.
Und führt der Weg am Kreuz vorbei,
Jesus eure Hoffnung sei.
Denn diese Welt mit ihren Dramen,
vergeht einmal, das Licht bleibt. Amen.

Erhalt das Herz in deiner Wahrheit
Jesus, in verklärter Klarheit.
Schenk unsern Sinnen auch hienieden
Gelassenheit und deinen Frieden.

Amen.