Niemand wird es wohl bestreiten:
Wir leben in verrückten Zeiten.
Nichts ist mehr für uns normal.
Ein kleines Virus wirkt fatal.

Bekannte werden kaum erkannt,
denn die Gesichter sind verbannt
jetzt hinter Stoff, FFP-zwei.
Man atmet nicht mehr richtig frei.

Und auch im Gottesdienst, da sitzen stumm
maskierte Gläubige herum.
Auf Abstand und desinfiziert,
so nimmt man teil, während man friert.

Begegnung gibt’s nur auf Distanz,
vermeidet sie am besten ganz,
oder trifft sich digital,
im Netz auf Videokanal.

Die meisten Läden, sie sind zu.
Pakete kommen immerzu.
Auch Feste feiern ist nicht drin,
sonst ist der Infektionsschutz hin.

Wegen der ganzen Quälerei
da gibt’s natürlich viel Geschrei:
Groß ist die wirtschaftliche Not,
denn Existenzen sind bedroht.

Schön ist’s nicht, wenn man bedenkt,
wie sehr die Freiheit eingeschränkt,
sich zu treffen, zu besuchen,
Reisen kann man auch kaum buchen.

Das Schlimmste ist in dieser Zeit
die gefühlte Einsamkeit,
die den mit ihrem Netz umwebt,
der für sich alleine lebt.

Menschen, die man hat so gern,
denen bleibt man lieber fern.
Die Liebe sucht die Nähe zwar,
doch diese Nähe bringt Gefahr.

Was and‘re jetzt am meisten schützt,
was der Gemeinschaft wirklich nützt,
das tut mir halt so richtig weh,
wenn ich Distanz als Lösung seh.

Nah und fern – ein Gegensatz.
Und doch steckt drin ein großer Schatz.
Und ihn zu heben, bin ich hier
und lese Verse vom Papier.

Nah und fern verträgt sich nicht? -
Doch siehst du‘s mal in and’rem Licht,
dann kann ein Gegensatz bisweilen
dich und dein ganzes Leben heilen.

Der Heiland Jesus, schau ihn an,
ist Mensch und Gott zugleich, das kann
doch eigentlich niemand versteh’n.
Doch das Wunder ist gescheh’n.

Gott wird Mensch, denn Gott sagt: „Ja“.
Drum kommt er uns unglaublich nah.
So nah, dass er für uns auch stirbt,
dem Teufel so das Spiel verdirbt.

An Ostern ist die Freude groß,
besiegt ist Tod und Teufel, bloß
dann geht Jesus auf Distanz,
fährt auf zum Vater voller Glanz.

Das Leid ist groß, die Jünger schrei‘n:
Warum lässt Jesus uns allein?
Doch schon weht der Heil’ge Geist,
der dann auch die Richtung weist.

Die Gegensätze gibt es zwar,
das ist den Jüngern weiter klar.
Die Spannung, über die man stöhnt,
hat Gottes Geist genial versöhnt.

Tod und Leben, nah und fern,
wenn Widersprüche an uns zerr’n,
dann bringt uns das vielleicht auch weiter.
Nur, wer sie aushält, wird gescheiter.

Glaube, Hoffnung, nah und fern.
Manche sagen: „Hab mich gern!
Ich merke nichts von diesem Gott.
Drum wende ich mich ab, ganz flott,

genieß die Freiheit ohne Schranken.
Gehorsam wird mir niemand danken.
Ich blicke durch, ich denke quer.
Den Glauben braucht heut keiner mehr.“

O, wie arm ist das gedacht.
Schluss ist immer schnell gemacht.
Doch, wer wird’s stattdessen wagen,
einmal tiefer nachzufragen?

Vielleicht ist Gott ja gar nicht fern.
Vielleicht will er nur, dass ich lern,
die Widersprüche auszuhalten,
die mein Leben oft gestalten.

Oder will er mit mir kämpfen,
um meine Arroganz zu dämpfen,
dass ich alleine wichtig sei,
wie’s andern geht, ist einerlei?

Kann es sein, dass Gott mich quält,
weil er das Leiden für mich wählt?
Oder bin ich selbst so voller Wut …. ?
Dann täte mir Vergebung gut.

Bekanntlich ist es nicht verkehrt,
wenn uns die Bibel etwas lehrt.
Denn mit Leiden, Schreck und Graus,
ja, da kennt sich die Schrift gut aus.

Bei Markus wird uns mitgeteilt,
wie Jesus einen Menschen heilt.
Der ist gelähmt schon lange Zeit
und lebt in Hoffnungslosigkeit.

Die Hoffnung fehlt aus gutem Grund,
denn Tag für Tag und Stund um Stund
da hört er, liegend auf der Bahre,
so manche kluge Kommentare:

„Dein Dasein ist deshalb so trist,
weil die Sünde in dir ist.
Die hat die Krankheit dir gebracht.
So ist das halt, darum gut‘ Nacht.“

Das Weit’re ist euch wohl bekannt:
Die Freunde kommen angerannt.
„Hast du gehört? Dein Heil ist nah!
Denn Jesus ist seit kurzem da.

Wir kommen, um dich hinzutragen
Dann kannst du ihm dein Leid gleich klagen.
Komm, wir bringen dich zum Herrn!“ -
Doch viele Leut‘ den Weg versperrn.

Der Heiland Jesus ist beliebt.
Die Menschenmenge drängelt, schiebt.
Nichts geht mehr weiter, nichts voran.
Niemand mehr sich rühren kann.

„Der Rabbi Jesus hilft bestimmt.“
Tief davon überzeugt, erklimmt
die Männergruppe flugs das Dach.
Das Stroh da oben gibt leicht nach.

Der kranke Mensch wird von da oben
ganz vorsichtig hinabgehoben.
Nun liegt er da, der lahme Mann
schaut Jesus voller Spannung an.

Was Jesus sagt, erstaunt doch sehr:
„Dich quälen deine Sünden schwer.
Das soll nicht sein, sie sind vergeben.
Komm, steh auf, fang an zu leben.“

Die Schriftgelehrten sind empört.
„Nein, nein, so ist das ganz verkehrt:
Was wir da hör’n ist uns ein Graus.
So geht das mit dir nicht gut aus.

Heil du die Kranken, mach gesund,
die lahm und blind und taub sind und
lass die Finger vom Vergeben.
Willst du dich zum Gott erheben?“

Jesus steht nachdenklich da ….
Die Pharisäer steh’n ihm nah,
und sind ihm doch unendlich fern,
als kämen sie vom andern Stern.

„Was ist leichter?“ sagte er dann.
Zu heilen diesen armen Mann,
oder in sein Inneres zu schau’n.
Da liegt der Kern, ihn aufzubau’n.“

Er sagt dann zum gelähmten Mann:
„Steh auf, nimm die Vergebung an!“
Der Mann steht auf, - läuft Schritt um Schritt,
und seine Liege nimmt er mit.

Die Menschenmenge staunt nicht schlecht.
Den Pharisär’n ist’s gar nicht recht.
Manch einer hat sich wohl gedacht:
„Wie hat der Jesus das gemacht?

Er hat den Mann nicht mal berührt,
nur durch sein Wort zum Heil geführt.
Gesund aus der Distanz, echt toll.“
Die Leute sind des Lobes voll.

Jesus war nah und dann doch fern.
Hm, dies Geheimnis glaub ich gern,
dass beides Not tut, lindert Leid, -
nur jedes Ding zu seiner Zeit.

An der Zeit war‘s zu vergeben:
Der Mann sollt ohne Schuld jetzt leben.
Dann, nur dann wird er gesund.
So steht das Heil auf festem Grund.

Nur dem ist die Gesundheit nah,
der auch das Licht der Hoffnung sah.
Sind Zweifel, Argwohn, Neid dir fern,
so findest du des Heiles Kern.

Bist du von innen heraus rein,
wirst du gesund im Leben sein.
Gesundheit nah, das Böse fern,
den Gegensatz, den hör ich gern.

Liebe Gemeinde, jetzt zum Schluss
ich euch noch etwas sagen muss:
Ja, lasst euch in verrückten Zeiten
auch mal von Widersprüchen leiten:

„Ich liebe dich, fass dich nicht an,
weil mein Abstand heilen kann.“
Verzicht, Distanz bringt voll das Leben.
Gesundheit soll‘s für alle geben.

Gottesdienst vermummt und still,
weil man Heilung fördern will.
Die Freiheit liegt derzeit in Ketten
Und wird dadurch noch Leben retten.

Von so vielen hört man Spott
über unsern lieben Gott.
Doch den starken, tiefen Glauben,
kann man damit keinem rauben.

Ganz wertvoll ist Barmherzigkeit
in dieser durchgedrehten Zeit.
Denn keiner macht jetzt alles richtig.
Verzeih’n und Rücksicht, das ist wichtig.

Dann können selbst die schlimmsten Sachen
uns’re Welt doch heiler machen.
Des Virus unheilvolle Werke,
sie zeigen uns die wahre Stärke.

Die Stärke, die nur kommt von innen,
wenn wir uns stets auf Gott besinnen.
Denn Gott vergibt, wie einst dem Lahmen,
macht alles gut, vertraut ihm.
AMEN.