Gottesdienst anlässlich des 300-jährigen Jubiläums unserer Dreieinigkeitskirche

Die Dreieinigkeitskirche in Neustadt am Kulm feierte am Sonntag die Weihe des 300 Jahre alten Gotteshauses. Auch Regionalbischof Klaus Stiegler war anwesend. (Hier finden Sie das Manuskript zu seiner Festpredigt.) Bei festlichen Anlässen ist es meist so üblich, dass die Jubilare und der Kirchenvorstand mit dem Pfarrer feierlich in die Kirche einziehen. Aus Gründen der Sicherheit zogen dieses Mal nur die Ehrengäste und die beiden Vertrauensleute des Kirchenvorstandes mit Pfarrer Klausfelder ein. Erwartet wurden Sie von zahlreichen Gemeindegliedern, die in der ganzen Kirche verteilt auf gekennzeichneten Plätzen saßen. Auch das junge Kirwavolk war in der typischen Neustädter Kirwakleidung mit den weißen besticken Schürzen gekommen. Die Gemeinde musste leider wegen den Coronavorschriften auf ihren geliebten Posaunenchor verzichten. Nicht einmal im Freien war es erlaubt, dass die Instrumente jubilierten. Umso lieber sang die Gemeinde, natürlich mit Maske, „Nun singe Lob, du Christenheit“.

Pfarrer Klausfelder freute sich, dass der Gottesdienst möglich ist, wenn auch alle anderen Feierlichkeiten rund um den Geburtstag der Kirche nicht stattfinden konnten. Schließlich gebe die Kirche doch Halt in unsicherer Zeit. Denn schon immer haben Menschen Gottes Nähe gesucht. Das äußere Zeichen für Gottes Nähe sei das Gotteshaus, die Kirche. Sie sei der Anker in unsicheren Zeiten. Er dankte allen Mitwirkenden und Helfern rund um den Gottesdienst und das Jubiläum und hob die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand hervor.

Christa Moller verlas das Evangelium. In Lukas 19, Vers 1-10 wird vom Zöllner Zachäus erzählt, den Jesu Besuch bei ihm zur Umkehr bewegte. Mit dem Blick auf Jesus schaffte er es von seinem lästerlichen Tun zu einem ehrlichen Leben zurückzufinden. Jesus war sein Anker dabei.

Musikalisch ausgestaltet wurde der Gottesdienst von Monika Brand an der Orgel und dem Vocal-X-tett aus Neustadt am Kulm. Die vier Frauen verstanden es in hervorragender Weise festlich und eindrücklich, sowohl einstimmig als auch mehrstimmig zu überzeugen. „Glauben ist, gemeinsam feiern“, so lautete in perfekter Weise das erste ihrer Lieder.

Gespannt erwartete die Glaubensgemeinschaft die Festpredigt von Regionalbischof Klaus Stiegler. Er gratulierte zu einem Prachtstück; zu der Kirche mit ihren Gemälden, dem Stuck und den schönen Emporen. Mit Dank und Respekt sehe er in der Rückschau auf viele Generationen, die die Kirche bauten, pflegten und erhielten und die jetzt aktuell die Verantwortung für das Gotteshaus und die Gemeinde tragen. Dabei müsse man sich von Altem und Bewährtem leiten lassen und auch junge Ideen und Neues zulassen. Seine Predigt bezog sich auf den Psalm 84, den er immer wieder das Sehnsuchtslied nannte. „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth...Wohl denen, die in deinem Hause wohnen!“ Er nannte das Bedürfnis vieler Menschen „dabei zu sein“. Er verstehe auch, dass Mancher traurig sei, wenn die Kirchweih nicht mit Feiern, Unbeschwertheit und dem Posaunenchor möglich sei. „Man sehnt sich nach Normalität!“, betonte er. Genauso heftig würden sich viele Menschen nach dem lebendigen Gott sehnen. Deshalb wollen sie die Kirche gerade in unsicheren Zeiten aufsuchen. „Hier bekommen sie das, was lebendig macht“.

Das Sehnsuchtslied hat die Wurzeln im jüdischen Glauben und wurde weiterentwickelt. Stiegler verwies auf den Apostel Paulus, der gesagte hatte: „Der Tempel der Begegnung steht nicht in Jerusalem. Ihr seid es, gebunden an unser Dasein und unser Leben. Wir sind Gottes Haus“. Der Bischof betonte, dass Glaube individuell ist, man dafür aber auch die Gemeinschaft braucht. Räume für den Glauben zu finden, sei in der heutigen Zeit der Geschäftigkeit, Schnelligkeit und Flatterhaftigkeit besonders wichtig. Er meinte damit äußere und innere Räume der Ruhe und des Ankommens. In der Kirche und im Gottesdienst kann man sich erinnern lassen „an das was wir sind und was wir hören!“ Dabei gehe es nicht um das sture Abarbeiten von Regeln.

„Nicht wir sind die Macher!“, betonte Stiegler, das erlebe man in den letzten sieben Monaten. Die Welt sei erstarrt in Ohnmacht und in Unsicherheit. Aber „Gott ist getreu“, wie es am Sonntag auf dem Parament aufgestickt geschrieben stand. „Gott ist da, auch in den dürren Tälern des Lebens!“, rief er den Gottesdienstbesuchern zu.

Dann schlug er den Bogen zum Bauwerk Kirche in Neustadt am Kulm. Dieses musste sich auch verändern. „Es begann mit einem Karmeliterkloster, wurde zur Brandwüste und dann zu dieser schönen Markgrafenkirche!“ Er wies darauf hin, dass Glaube und die Gestaltung der Kirche die Kraft haben sich zu verändern. Man müsse offen sein für Neues und Anderes zulassen. Er freute sich, dass auch der katholische Geistliche Sven Grillmeier aus der Mockersdorfer Pfarrei der Einladung zum Festgottesdienst gefolgt ist. „Das wäre zur Markgrafenzeit nie möglich gewesen!“

Neues entstand auch im ersten Lockdown der Corona-Pandemie. Es gab viele neue digitale Angebote, denn die Menschen suchten Halt im Glauben. Und er schloss seine Predigt mit dem Aufruf als Kirche freundlich einladend und offen für die Menschen der heutigen Zeit zu sein.

Nach dem Predigtlied „Vertraut den neuen Wegen“ überraschte Pfarrer Klausfelder den Regionalbischof mit der Frage, wie viele Engel wohl in der Kirche zu sehen sind. Fast hätte er es erraten. Es sind tatsächlich 100 Engel in Gemälden, am Altar oder im Stuck enthalten. „Da ist man gut behütet!“, meinte der Geistliche. Christine Pühl kündigte den Gottesdienstbesuchern an, dass einige Mitglieder des Kirchenvorstandes 300 kleine Engel gebastelt hätten und diese als Dank für die Verbundenheit mit der Kirche und der Gemeinde, zusammen mit einer Fotokarte des Kircheninnenraumes gerne mit nach Hause und für die Nachbarn mitgenommen werden dürfe, als Gruß für Daheimgebliebene. Davon machten die Gäste gerne Gebrauch.

Ein wahrer Ohrenschmaus war das vom Vocal-X-tett vorgetragene „Denn er hat seinen Engeln befohlen!“ Im Fürbittengebet wurde für das Miteinander der beiden Konfessionen gedankt und für Offenheit gegenüber Menschen in Not gebeten. Ebenso für den Glauben an den dreieinigen Gott, für alle Menschen, die in Not sind und für den Weltfrieden. Zu jedem Gebetsanliegen wurde an dem neuen Kerzentisch eine Kerze entzündet. „Diesen hat der Kirchenvorstand der Kirche zum Geburtstag geschenkt!“, meinte Pfarrer Klausfelder scherzhaft. Dahinter steht die Erfahrung aus der gottesdienstlosen Zeit im Frühjahr, in der viele Menschen ihr Gebetsanliegen mit einer Kerze unterstrichen haben.

Nach dem Segen durch Regionalbischof Klaus Stiegler erbrachten die Ehrengäste ihre Glückwünsche. Stellvertretender Landrat Albert Nickl zeigte sich überrascht von der herrlichen barocken Ausgestaltung der Kirche. „Aus jeder Ecke strahlt etwas Besonderes hervor!“, meinte er. Es sei seit 300 Jahren ein Ort des Glaubens und ein Anker der Stabilität. Er wisse, dass die Kirchengemeinde Neustadt am Kulm eine sehr lebendige Gemeinde sei und immer offen für neue Wege ist, wie kürzlich mit dem KIGO TO GO wieder bewiesen wurde. Für die „Sparkasse Kirche“ übergab er ein Geldpräsent.

Zweiter Bürgermeister Helmut Schäffler stellte die Kirche als besondere Sehenswürdigkeit des Ortes und zusammen mit der Friedhofskirche und den zwei Kulmbergen, als auch der katholischen Kirche St. Michael in Mockersdorf als Herausstellungsmerkmal der Stadt Neustadt am Kulm heraus. Der Grundstock sei ja bereits vor über 600 Jahren gelegt worden. Er verwies auf die mitgebrachten Festschriften, die einen Artikel von Käthi Pühl enthalten, die die Entstehungsgeschichte der Kirche ausführlich beschrieben hat. Er kündigte eine Spende für die Kirche an, die Bürgermeister Haberberger persönlich überreichen wolle.

Sven Grillmeier, der katholische Geistliche aus Mockersdorf, bezeichnete die Kirchengemeinde „als Tochter von St. Michael“. Er gratulierte mit den Worten: „Seit über 600 Jahren hat Gott hier gewohnt. Gott ist auch ein Neustädter!“ Er bat die Gläubigen auch, der Kirche und der Kirchengemeinde die Treue zu halten. Als Geburtstagsgeschenk kündigte er eine Packung Bienenwachskerzen und eine Wachsschaufel für den neuen Gebetstisch an.

Das Vocal-X-tett steigerte sich beim letzten Lied noch einmal. „Lord, I want to be a christian“ ging direkt ins Herz. Das lag auch an der wundervoll warmen Stimme von Solistin Stephanie Kaufmann. Mit dem Auszug der drei Geistlichen und der Ehrengäste endeten die Festlichkeiten coronakonform.