Erntedank ist nicht nur für die Landwirte ein wichtiger Tag. Jeder Hobbygärtner weiß, wie viel in einem Sommer auch unpassend wirken kann. Eine Ernte einzufahren ist nicht selbstverständlich. Der Verbraucher merkt in unseren Breiten davon wenig, denn im Supermarkt sind immer genug Lebensmittel vorhanden. Sie kommen aus aller Welt.

Dafür gilt es am Erntedanksonntag von ganzem Herzen „Danke“ zu sagen. Die Kirchengemeinde machte es in musikalischer Form mit dem Lied „Danke für alle guten Gaben“. Dabei hatten sie eine reich geschmückte Kirche mit Sonnenblumen, Mais und vielen Früchten vom Feld und aus dem Garten vor Augen. Pfarrer Hartmut Klausfelder nannte die Dekoration einen „sichtbaren Dank an Gott“! Da durfte natürlich das traditionelle Lied „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land“ nicht fehlen.

„Es reicht!“ – dieses Motto des Landeskirchlichen Dienstes „Kirche im ländlichen Raum“ nahm Pfarrer Klausfelder bei seiner Begrüßung auf. Gemeint war dabei nicht nur das Essen, sondern auch die Nahrung für die Seele, wenn wir uns gegenseitig um uns kümmern und aufeinander Rücksicht nehmen. Denn wir können hier aus der Fülle leben. Das ist nicht überall auf der Welt so. Der Geistliche gab zu bedenken, dass wir oft nur auf das schauen, was fehlt oder was wir nicht geschafft haben. Dabei übersieht man, was gut ist. Er wies darauf hin, dass Gott uns einlädt, so wie wir sind. Für ihn sind wir in Ordnung. So konnte die Gemeinde befreit singen: „Allein Gott in der Höh´ sei Ehr und Dank für seine Gnade.“

Da der Erntedankgottesdienst in Neustadt am Kulm traditionell ein Familiengottesdienst ist, hatte Pfarrer Klausfelder seine Predigt anschaulich gestaltet. Zur Verwunderung der Zuschauer, deckte er mitten in der Kirche einen Tisch und setzte sich zur Brotzeit nieder. Etwas erschrocken reagierte er, als er eine Stimme hörte. Er dachte erst, Gott spräche mit ihm. Doch die Stimme gehörte zu seinem Brot (gesprochen von Christine Rupprecht, am Tag zuvor in Trabitz verlieh Andreas Walter dem Brot seine Stimme). Dieses stellte sich als „Gott-sei-Dank-Brot“ vor und animierte Pfarrer Klausfelder einmal darüber nachzudenken, wie viele Personen, Maschinen und Arbeitsschritte nötig waren, bis das Brot fertig vor ihm liegen konnte. Schritt für Schritt ging er im Gespräch den Weg über die Bäckerei, die Mühle, den Landwirt, die Symphonie des Sommers und das Wetter mit Gottes Segen zurück. Dabei bewies der vielseitige Geistliche großes schauspielerisches Talent. Auch Christine Rupprecht durfte sich über viel Lob für ihre Qualität als Sprecherin freuen. Den Weg vom Korn zum Brot hatte das Kindergottesdienstteam (Evi Sloot und Christine Rupprecht, Lore Freiberger-Feigt und Susanne Bartelmann) mit zahlreichen Fotos für die Kinder an Schautafeln dargestellt. Diese sind noch bis zum 18. Oktober in der Kirche für Interessierte zugänglich.

Pfarrer Klausfelder machte mit einem Auszug aus dem Lied „Vom Denken und Danken“ noch auf andere Dinge des Lebens aufmerksam, die wir viel zu wenig schätzen oder als selbstverständlich vorhanden betrachten. Er erinnerte an Stoffe, Schuhe, Wein, Häuser, ein schützendes Dach mit festen Ziegeln; aber auch an Liebe, Pflege und Förderung: „Mit jedem Schritt gehen viele Schritte mit. Mit jedem Dank gehen die Gedanken mit!“, hieß es in dem Lied. Er betonte, man solle nicht nur oberflächlich „Danke“ sagen. Man solle auf die Symphonie hören, die Gott für alles geschrieben habe. Denn schon in der Bibel steht: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist, wohl dem, der auf ihn traut.“ Auch der Wochenspruch spiegelte das Dankes- und Vertrauensthema wieder: „Aller Augen warten auf dich, Herr und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit!“ (aus Psalm 145).