Speinshart ist für seine Klosterkirche bekannt. Es gibt aber noch ein weiteres Kleinod in der Region. Das ist die Dreieinigkeitskirche in Neustadt am Kulm.

Nur wenige Menschen wussten bisher, dass diese schöne Kirche zu den Markgrafenkirchen gehört. Seit kurzem weist ein Schild neben der Eingangstüre darauf hin. Am Tag der Markgrafenkirchen (Erntedanksonntag) konnte man mehr darüber erfahren. Denn die Kirchengemeinde bot am Vormittag und nachmittags zwei Führungen in der Kirche an. Frau Käthe Pühl, sehr versiert in Stadt- und Kirchengeschichte, erklärte die Besonderheiten der Neustädter Kirche. Die Kirche hat, wie alle umliegenden Orte, eine bewegte Geschichte hinter sich. Nach der Reformation durch Luther sah sich das Volk überall zwischen dem katholischen und dem evangelischen Glauben hin und her geschoben. Es hatte sich der religiösen Überzeugung seines Landesherren anzupassen. Während die nördliche Oberpfalz bei der Gegenreformation überwiegend wieder katholisch wurde, blieb Neustadt am Kulm bis heute ununterbrochen evangelisch.

Nach einem 1633 Teilstadtbrand im 30-Jährigen Krieg war die Kirche des ehemaligen Karmeliterklosters stark beschädigt. Nur mit Unterstützung des Markgrafen von Bayreuth-Kulmbach wurde der Aufbau in der heutigen Größe und Ausstattung möglich. Die Größe und reiche barocke Ausstattung der Kirche erscheint für die damalige Bevölkerungsmenge überdimensioniert. Man nimmt an, dass der Markgraf an der Grenze seiner Ländereien und in der Nähe des Speisharter Klosters, dessen Kirche zur gleichen Zeit gebaut wurde, ein deutliches Zeichen seines Glaubens setzen wollte. Eigentlich sind alle Markgrafenkirchen als Saalkirchen gebaut. Neustadt am Kulm bildet dabei eine Ausnahme, weil sie auf den Grundmauern des Karmeliterklosters aufgebaut wurde. Der Altarraum bestand bereits. Deshalb ist die Kanzel in Neustadt auch am Chorbogen, also näher beim gläubigen Volk angebracht, so wie Luther es empfahl.

Beim Altar ist jedoch ein Baldachin zu erkennen, der darauf schließen lässt, dass ursprünglich die Kanzel dort vorgesehen war, wie es für Markgrafenkirchen üblich ist. Weitere Kennzeichen sind die Darstellung des Evangeliums an der Kirchendecke, die schönen Doppelemporen und der historische Taufstein mit Taufengeln im Zentrum der Kirche. Petrus und Paulus findet man in Neustadt am Kulm links und rechts am Altar stehend. Christus als Heiland mit der Siegesfahne steht auf dem Kanzeldach. Dort findet man auch die Taube als Sinnbild für den heiligen Geist. Das Lamm Gottes ist im Kreuzgewölbe der Sakristei zu finden, dem ältesten Teil der Neustädter Kirche. Die Engel mit den Leidenswerkzeugen von Christi Passion sind ebenfalls am Rand der Kirchendecke dargestellt. Ebenso findet man dort die vier Evangelisten mit den dazugehörigen Symbolfiguren aufgemalt. Diese sind Matthäus mit dem Menschen, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler.

Das Symbol der Dreieinigkeit mit dem Strahlenkranz befindet sich am oberen Ende des Altars. Ebenfalls ist es für Markgrafenkirchen typisch, dass überall in der Kirche Engel zu sehen sind. Sie stellen Gottes Hofstaat, die Gegenwart des Himmels und die Anbetung Gottes dar. Es sind aber auch Engel im Dienst der Verkündigung und in anderen Darstellungen dabei. Markgraf Christian Ernst hat sein Wappen und seine Herrschaftssymbole sowohl im Altaraufbau, als auch an der Mauer über dem Chorbogen anbringen lassen. Seinen Herrenstand mit Kachelofen an der Seitenwand des Chorraumes, hat er aber wohl nie benützt. Nicht alle Markgrafensymbole sind in Neustadt am Kulm zu finden. Doch mit ihrer bewegten Geschichte und den vielen farbig leuchtenden Deckenbildern in den Stuckkartuschen ist sie sicherlich eine besondere Kirche und eine der schönsten Barockkirchen der Region.

Die historisch wertvolle Purucker-Orgel befindet sich inzwischen in der Friedhofskirche, die als Hallenkirche gebaut wurde. Doch auch die jetzige Steinmeyer- Orgel des Gotteshauses steht bereits wieder unter Denkmalschutz, da sie nie verändert wurde. Die Gäste folgten den Ausführungen von Frau Pühl gespannt und hätten ihr gerne noch länger gelauscht. Denn sie verstand es hervorragend, den Bogen über die Geschichte vom frühen Mittelalter bis in die Markgrafenzeit zu spannen. Mit ihrem fundierten Wissen fiel es ihr auch nicht schwer, die Fragen der Gäste zu beantworten. Die Kirche ist für Besichtigungen tagsüber geöffnet.