„Ein Familiengottesdienst wäre schon lange mal wieder an der Reihe!“, so hörte man die einhellige Meinung bei der Sitzung des Kindergottesdienstteams. Evi Sloot, Christine Rupprecht, Lore Freiberger-Feigt und Susanne Bartelmann entschieden sich dann mit Pfarrer Hartmut Klausfelder für einen Gottesdienst im Freien – einem Gottesdienst auf der Picknickdecke. Die Familien, aber auch regelmäßige Kirchgänger folgten der Einladung gerne. Schnell waren die Plätze im Schatten belegt, denn die Sonne meinte es besonders gut an diesem Sonntagvormittag. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Neustadt am Kulm unter der Leitung von Karin Müller-Bayer. Den Gottesdienstbesuchern machte der Posaunenchor damit eine große Freude. Viel zu lange mussten sie auf die Klänge der Bläser verzichten.

Mit dem Klassiker der Sommerlieder „Geh aus, mein Herz und suche Freud!“ stellte Klausfelder den Bezug zur umgebenden Natur her und ließ die Gäste danach in die Stille lauschen. Die Unterhaltung der Vögel und das Summen der Bienen und Insekten erfreuten die Ohren der Lauschenden. Pfarrer Klausfelder spannte dann den Bogen zum Achtsam sein gegenüber der Natur, aber auch achtsam sein den Mitmenschen gegenüber. Welches Lied könnte dazu besser passen, als das schmissige „Die Erde ist schön, es liebt sie der Herr!“ Gottes Begleitung und Führung erbaten die Gläubigen mit dem wechselseitig gesprochenen Psalm 23.

Als Predigttext hatte Klausfelder die „Speisung der 5000“ ausgewählt, einen Text, den auch Kinder gut verstehen können. Zuerst fragte er, wie sich Hunger anfühlt. Er schilderte sehr lebendig, wie sich die Jünger über Jesus Gebot die vielen Menschen zu verköstigen wunderten. Wie soll man auch mit fünf Broten und zwei Fischen und nur wenig Geld so viele Menschen satt bekommen? Es gelang. Am Schluss wurden sogar noch Reste eingesammelt.

Klausfelder überlegte, wie dieses Wunder geschehen konnte. Er nahm an, dass viele Menschen eine kleine Brotzeit in der Tasche dabeihatten und ihr Brot, ihre Oliven und Datteln mit ihren Nachbarn geteilt haben, so wie Jesus das Brot teilte. Sie kümmerten sich umeinander, nahmen den Menschen neben sich wahr und kümmerten sich um ihn.

Es gebe jedoch nicht nur den körperlichen Hunger, sondern auch den Hunger in der Seele. Klausfelder ging dann auf die vielen Regelungen und den Verzicht ein, den die Corona-Pandemie mit sich bringt. Herzliche Umarmungen, Feste und Feiern, der Gottesdienstbesuch und Üben mit den Musikfreunden waren nicht oder nur eingeschränkt möglich. Er betonte, dass Vieles nicht möglich war und ist, aber niemand Hunger und Durst leiden musste. Dafür müsse man dankbar sein. Die Versorgung mit Nahrung und sauberem Wasser sei in Deutschland sicher geregelt. Menschen in anderen Teilen der Welt hätten es nicht so gut. Evi Sloot und Christine Rupprecht verteilten anschließend an die Gläubigen das Matzenbrot, das die Gläubigen auf ihren Picknickdecken mit ihren Familien teilten. Das Matzenbrot kommt dem Brot, das zu Jesus Zeiten in Palästina üblich war recht nahe.

„Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen!“, wurde danach sicher bewusster gesungen. Im Fürbittengebet gedachten die Gläubigen den Menschen, denen das Nötigste zum Leben fehlt oder an Andere, die hungrig nach Liebe und Geborgenheit sind. Sie baten für die kranken und behinderten Menschen und an die, die hungrig sind nach Lebensfreude. Zuletzt betete die Gemeinde für die verstorbenen Gemeindeglieder und ihre Verwandten und Angehörige. Mit dem Vaterunser, dem Segen und gestärkt durch das Lied „Gott sagt mir immer wieder – Ich geh dir voran!“ beschlossen sie den schönen Gottesdienst und gingen gestärkt in eine neue Woche.

Am Nachmittag hatten die Gläubigen in Frankenberg bei der Filialkirche noch einmal die Gelegenheit am Gottesdienst auf der Picknickdecke teilzunehmen. Dort gestaltete der zweite Posaunenchor der Kirchengemeinde Neustadt am Kulm, der Posaunenchor Frankenberg unter der Leitung von Monika Klausfelder, sowie Susanne Bartelmann und Lore Freiberger- Feigt mit Pfarrer Klausfelder den Gottesdienst, ebenfalls zu der biblischen Erzählung von der Speisung der 5000. Leider mussten die Gläubigen wegen eines Regenschauers in die Maschinenhalle der Familie Feigt ausweichen. Dort standen Bänke bereit. Viele breiteten jedoch trotzdem die Picknickdecke auf dem Hallenboden aus. Im Moment der Stille gestaltete der Regen auf dem Hallendach eine richtige Melodie für die Anwesenden. Auch die Alpakas der Familie Feigt zogen es vor, dem Regen auszuweichen und gesellten sich zu den Gläubigen in die Halle, was vor allem die Kinder sehr freute.