Das Fundament des Kirchturmes unserer Dreieinigkeitskirche mit der Sakristei gehören zu dem ältesten Teil der Dreieinigkeitskirche in Neustadt am Kulm und ist über 600 Jahre alt. Nach vielen Renovierungsarbeiten in den letzten zehn Jahren, musste nun auch das Dach des Turmes saniert werden. Dass die Arbeiten im Gange sind, kann man seit Monaten weithin sichtbar an dem verhüllten Turm erkennen. Nun stehen die Arbeiten vor dem Abschluss. Das Gerüst ist vor wenigen Tagen von der Gerüstbaufirma Kolbenschlag aus Bayreuth wieder ein Stück rückgebaut worden.

Darum nutzten einige Mitarbeiter der Kirchengemeinde die einmalige Gelegenheit, kurz vorher noch einmal die Turmspitze zu erklimmen. Bereits der Aufstieg bot viele interessante Momente: Plötzlich stand man den Glocken gegenüber, die durch die Fensteröffnung im Turm von innen zu sehen waren. Auf Schritt und Tritt begegnete man Relikten aus alter Zeit. Viele Verzierungen und Vorsprünge der Sandsteinmauer sind von unten, vom Boden aus, gar nicht zu erkennen. Man sieht aber auch, dass der Stein schon abgerundet und verwittert ist, wie zum Beispiel an den gotischen Fensterverzierungen.

Besonders beeindruckend war die Größe der Zifferblätter. Mit rund 2,25 Metern Kantenlänge erscheinen sie riesig, wenn man direkt davorsteht. Leider sind sie schadhaft und müssen ersetzt werden. Die neuen Zifferblätter werden nach dem Vorbild der Originale bemalt und von der Firma „Bayreuther Turmuhren“ angefertigt. Doch auch die Dachdeckerfirmen Wolfram aus Neustadt am Kulm und Wachter aus Wilhelmsthal leisteten hervorragende Arbeit. Genau geschichtet ergeben die Schiefer wunderbare Muster an den Kanten des Turmdaches. Ganz oben hat sich die Firma Wolfram in einem Schiefer verewigt. Das ist eine schöne Sitte und hilfreich für die nachfolgenden Generationen. Schließlich vergehen, wenn die Materialien wieder so lange halten, wie bisher, in etwa 70 bis 80 Jahre, bis der Turm wieder neu eingedeckt werden muss.

„Es ist schon bewegend, wenn man auf gleicher Höhe neben der schmalen Kirchturmspitze steht!“, gibt Christine Rupprecht zu. Ganz oben konnten Pfarrer Klausfelder und die anderen Besucher bei den Arbeiten am Kreuz der Kirchturmspitze zusehen. Auch hier war die Größe des Kreuzes beeindruckend. Etwa 180 Kilogramm bringt es auf die Waage. Die feinen Ziselierungen in der Formgebung sind leider vom Boden aus gar nicht zu erkennen. Das Kreuz ist noch nicht fertig, es soll noch einen grauen, glänzenden Anstrich erhalten.

Der sportliche Aufstieg über insgesamt 20 Stockwerke hatte sich aber auf jeden Fall gelohnt. Von oben ergab sich eine herrliche Sicht auf den Kleinen und den Rauhen Kulm. Die Häuser der Ortschaft erschienen wie Spielzeuggebäude. Es war schön, die Stadt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Viele Details und Straßenplätze wirkten völlig anders, als vom Boden aus. Auch die Häuserzeilen wurden bewusster. „Dem Himmel ganz nahe zu sein, in reeller und in ideeller Hinsicht, das ist ein besonderes Erlebnis, das ich sicherlich nicht vergessen werde!“, stellte Rupprecht nach der Turmbegehung noch ganz ergriffen fest.

Wer sich übrigens ein ganz besonderes Erinnerungsstück sichern möchte, kann sich im Pfarramt melden. Die alten Zifferblätter werden nicht zerstört, sondern an Liebhaber verkauft.